06.12.05 | 16:39 | 2689 x gelesen

Wir seh'n uns!



„Nun geh’ doch hin und sag ihm guten Tag“, sagte sie. Ich fixierte ihn über zehn Meter und sagte: „Hey, es ist zwanzig Jahre her, dass wir uns sahen.“ - „Kanntet ihr Euch gut?“ fragte sie. „Weiß nicht… nicht wirklich lang, aber es hat etwas bedeutet!“ – „Dann geh jetzt zu ihm, und grüß' ihn“, hatte sie lächelnd gesagt.

Ich brachte das unbeholfenste „Hallo“ seit Jahren hervor. Er drehte sich erstaunt zu mir um und fragte: „Hallo. Kennen wir uns?“ – „Ja und nein“, antwortete ich. Gleichzeitig ein Fragen und ein neugieriges, ein forschendes Glänzen in seinen Augen, dann hakte er lächelnd nach: „Hilf mir auf die Sprünge“ – „Nun“, sagte ich, „Wir kennen uns – aber ich erinnere mich wohl mehr an dich, als du dich an mich. Wahrscheinlich erinnerst du dich überhaupt nicht mehr an mich. Aber wir haben uns getroffen, vor über zwanzig Jahren, und es hat etwas bedeutet.“ Er legte den Kopf quer, lächelte mich an. „Ja, solche Situationen kenne ich. Man ist ja viel unterwegs. Tatsächlich erinnere ich mich überhaupt nicht an dich. Aber wenn du sagst, wir kannten uns, dann glaub’ ich dir das. Also, komm – erzähl! Wie ist es dir ergangen in den letzten zwanzig Jahren?“ und obwohl er sich offensichtlich überhaupt nicht mehr an mich erinnerte, sah ich in seinen Augen echtes Interesse und ich erzählte ihm, wie es mir ergangen war. Später umarmten wir uns wie Freunde. Er wünschte mir Glück für meinen Weg, und hätte er ein Proviantpaket dabei gehabt – er hätte es mir gleich noch dazugegeben. Das war meine zweite Begegnung mit Hanns Dieter Hüsch, das war 1998. Die erste, das war 1978.

Wir haben uns danach nicht wieder getroffen. Ich habe überhaupt seitdem nie wieder jemanden getroffen, der mir sagte: „Tatsächlich erinnere ich mich überhaupt nicht an dich. Aber wenn du sagst, wir kannten uns, dann glaub’ ich dir das. Also, komm – erzähl!“

Link | Künstlerausgang | 2005.12.06, 16:39 comment |

kaltmamsell, Dienstag, 6. Dezember 2005, 20:59
Und jetzt heul ich doch.

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kelef, Dienstag, 6. Dezember 2005, 22:11
und ich mit. es gibt viel zu wenige von diesen menschen.

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svenk, Dienstag, 6. Dezember 2005, 23:15
Auch traurig, vorhin gesehen: HDH wird bei iTunes unter "Comedy" gelistet. Ich mußte kurz trocken schlucken.

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baumgarf, Mittwoch, 7. Dezember 2005, 02:40
Wunderbar.
Mir war es leider nur einmal vergönnt, HDH live zu erleben, anno 2000 bei seiner Abschiedstournee in Stuttgart. Aber damals wie heute, beim Lesen des Textes, hatte ich das Gefühl, dort auf der Bühne sitzt nicht ein großer Name, sondern ein guter Bekannter, der mal eben auf einen Sprung vorbeigekommen ist, um mir mit seinen Geschichten den Abend zu versüßen.

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kid37, Mittwoch, 7. Dezember 2005, 12:51
Die "Unterhaltung am Wochenende". So machte mich jungen Bönsel der WDR mit Hanns Dieter Hüsch bekannt. Eine feine Sache, in vielerlei Hinsicht.

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svenk, Mittwoch, 7. Dezember 2005, 13:36
Unterhaltung am Wochenende, oh ja: Hermann Hoffmanns kleine Dachkammermusik, Radio Insterburg, Familie Poschepschinski, die ersten Else-Stratmann-Monologe jenseits des SWF, der erste Hagenbuch, der junge Herman van Veen, die noch undogmatische Ina Deter, der vergessene Peter Horton, der ebenfalls in der Versenkung verschwundene Georg Danzer, Jürgen von der Lippe, damals noch mit den Gebrüdern Blattschuss … Haltet mich, ich werde hoffnungslos sentimental. Ich hatte das alles auf Tape und verwinde es immer noch nicht, dass die Sammlung bei einem Umzug in den Achtzigern verloren ging.

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TJungbluth, Mittwoch, 7. Dezember 2005, 22:01
bedankt
für den Link. Das war noch Radio, das man hören konnte, stundenlang.

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