07.10.06 | 19:42 | 1170 x gelesen

Kommt Montag. Der Stift des alten Tabletts ist nämlich so abgewetzt, dass er Risse in die Zeichnmatte ritzt. Gute Gelegenheit, mal ein bißchen Zeichner-Benzin zu reden. Neuer Stift fürs alte Tablett: 37 Euro, neues Tablett ab 40 Euro. Geht’s noch, Herr Marktführer? Nur die Stromkonzerne beuten ihre Vormachtstellung rücksichtsloser aus als der Herr WACOM mit den schönen Zeichentabletts. Schwamm drüber, wie der Schimmelsanierer sagt.
Das Dumme mit Zeichentabletts ist, dass man mit den Kleinen wie dem da oben – A6, 80 Ocken – alles kann, was man mit den Größeren kann: nicht viel, das aber gut. Dabei ist das Zeichentablett ist in erster Linie was für Zeichner. Allen anderen verhilft sie mittels grandiosen Scheiterns gnadenlos zur brutalen Einsicht ihrer unbarmherzigen Mittelmäßigkeit. Und für Zeichner reicht, wie gesagt, schon das ganz kleine hier. Dass das neuerdings MuFu-Knöpfe und ein Scrollrad hat ist schon Killefit einer Zeit, in der jedes Computerzubehörteil mit Bluetooth und Scrollrad angeboten wird (ich warte auf den ersten USB-Zigarettenanzünder mit Scrollrad).
Das Einzige größere, das ich noch nähme wäre das CINTIQ, das wirklich ganz Große von WACOM, das 21-Zoll-Teil, wo man direkt aufs LCD zeichnet. Solange allerdings mit den anderen Modellen der Effekt bleibt, dass man den Stift neben sich übers Tablett bewegt und vor sich auf dem Monitor sieht, was man tut, kommt wirkliches Zeichnen mit Stift, Papier und Scanner einfach organischer. Andererseits kann man selbst in Flash mit seinen druckdynamischen Pinselspitzen in Zusammenarbeit mit dem Tablett, das die Dynamik über den digitalen Stift in beeindruckender Präzision an den Computer weitergibt, mittlerweile digital beeindruckend organisch wirkende Vektorzeichnungen bauen. Somit ist das Zeichnen mit Computer und Tablett längst interessant und Stammtischkontroversen über „Tablett oder Pinsel und Papier“ Luxusdiskussionen für Radikalhaptiker und ähnlich zielführend, wie die ideologischen Streitigkeiten zwischen den Freunden der CD und denen des Vinyls. Aber richtig Zeichnen, das geht wie gesagt, nur mit dem ganz, ganz großen Tablett wirklich gut, und das gibt es erst für obszöne 3.500 Euro. Ich werd' mir wohl eins leisten, keine Frage. Und wenn ich noch mal vier Wochen ohne Punkt und Komma zeichnen muss. Es klingt bekloppt: aber das Teil ist bestimmt jeden Cent wert.
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