08.11.06 | 02:34 | 732 x gelesen

Allemage, mère blafarde

Love is around, look around the world
And look at yourself
C’est le genre humain, c’est le genre humain
Il en a plein les frigos, le regard dans le vide
Debout tard, levé tôt, le café et la radio
Le lundi matin il fait la une des journeaux
C’est le genre humain, c’est le genre humain

(Michel Augier, Les Balayeurs du désert, « Jules Verne Impact »)

Sagte Olli Dittrich nicht neulich im SPIEGEL-Interview, dass „Dittsche“ als Kunstfigur überzogen sei, dass niemand wirklich so aufträte? Nu, Olli, du wurdest soeben widerlegt. Ich betrat um kurz nach zwei in der Nacht meinen Ostberliner Winkaustritt (Balkon) und sehe, wie ein etwa fünfzigjähriger baumlanger kahler Mann in beißender Kälte den Döner-Imbiss verlässt um die Straße zu überqueren. Die nackten Füße des Mannes steckten in Badelatschen, er trug einen Schlafanzug und darüber, jawollja, einen Bademantel. Ich hatte zwar gerade gut 10.000 Euro ans Finanzamt überwiesen, von denen mir nach wie vor niemand vermittelt, was davon qua Staatsinvestition wieder der Allgemeinheit zugute kommen wird, aber ich hatte flugs kein Bedürfnis mehr, mir leid zu tun. Was bleibt ist ein unterschwelliges Gefühl von Wut, und dass da draußen irgendetwas nicht ganz koscher läuft. Etwas, was in das Gefühl mündet, dass es völlig egal ist, ob man sich den Arsch aufreißt, oder nicht.

So spielt Deutschland Russland - dezenter aber genau so rücksichtslos. Kohls Mädchen rächt sich an der wiedergeborenen Zarenrepublik und das Ergebnis ist Revanchismus mit den Mitteln der Ökonomie, kapitalistischer Schwanzvergleich ehemaliger sogenannter Sozialisten. Das Ergebnis ist eine Lobbyistenrepublik mit ADO-Goldkante. Dezenter, aber nicht wirklich weniger Russland.

Und unterm Strich wanken die Dittsches über die Straße während Wim Wenders die Transplantation des ehemaligen Off-Clubs „Esplanade“ ins SONY-Center durch seine künstlerischen Weihen adelt.

Link | Realsatire | 2006.11.08, 02:34 comment |

mutant, Mittwoch, 8. November 2006, 02:47
ich nehme ja an, er muss das sagen, damit es nicht so hart rueberkommt.
als ich mal in einem baguette-laden gearbeitet habe, sonntags morgens um 11, da kamen auch einige randexistenzen vorbei. das war nicht im unterschichten-stadtteil und ist auch ca 11jahre her, aber kaputte gabs immer und wird es immer geben.

bunter billig-jogging anzug, der offenbar auch als schlafanzug geht (deswegen hat es diese kleidung ueberhaupt in die oeffentlichkeit geschafft), offenbar die ganze nacht geraucht (ausduenstung) und am sonntag eben ein mal die woche: vitamine. ein salat. und ein eis. aber vorher immer eine halbe stunde nachdenken, man koennte ja, und ach, dies ist ja neu, aber dann doch immer das selbe.
hauptsache mal raus aus der bude.

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kid37, Mittwoch, 8. November 2006, 12:49
Ja. Oder vor zwanzig Jahren im Ruhrgebiet. Bademantel - Büdchen - Bier holen. Ab und an sah man sowas schon. Ich finde, die SPD sollte ihr Versprechen wahr machen und das Proletariat in Brioni-Anzüge stecken.

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mutant, Mittwoch, 8. November 2006, 12:52
brioni bademaentel, bitte. soviel zeit muss sein.

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kid37, Mittwoch, 8. November 2006, 21:12
Was rede ich denn! Bademäntel - Sie haben sowas von recht.

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