24.02.07 | 23:55 | 498 x gelesen
Groteske

Fehlendes Qualitätsbewusstsein ist vermutlich die schlimmste politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Folge der Allgegenwärtigkeit von Lobhudelei und Abwesenheit von Kritik.
[via Süddeutsche Zeitung Magazin]
Herrjeh, Gesellschaftskritik am fehlenden Qualitätsbewusstsein festzumachen - das ist nicht zufällig ... irgendwie ... ein wenig weltfremd?
Öhm, ich will dem Herrn Zeichner und seinen Helden nicht zu nahe treten, vielleicht ist mir nur die Ironie bei der Veröffentlichung dieses Zitats entgangen. Aber was der Mensch da in der Süddeutschen so wortreich äußert ist doch schlimmer konservativer bildungsbürgerlicher Quatsch. Demagogie in bester stoiberscher Tradition: Schönschreiben in der Schule, Pannenstatistik beim ADAC und Jubel in Fernsehshows, alles in einen Topf, kräftig umgerührt und - voilá!- fertig ist der Erziehungsratgeber für das gymnasialerzogene Kind im Zeitalter der Globalisierung. Das alles natürlich nur aus Sorge um den "im globalen Wettbewerb stehenden Wirtschaftsstandort Deutschland". Chlor doch.
Ich möchte mal so sagen: Fehlendes Qualitätsbewusstsein ist so alt wie die Qualität selbst. Neu und überraschend ist nur das Auseinanderklaffen zwischen den Bildungsmöglichkeiten, die tatsächlich viel mehr Menschen offen stehen als früher, und der bequemen Dumpfheit, für die sich die Mehrheit trotzdem entscheidet. Traurig, ja. Traurig, traurig.
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blue sky,
Montag, 26. Februar 2007, 16:18
Ja, den Artikel habe ich mit ähnlich wachsendem Befremden gelesen. Und der Punkt zur Lobhudelei überzeugt mich auch nur halb, denn der Autor hat das gleiche Problem wie die, die er kritisiert: Er schafft es nicht, Sach- und Beziehungsebene auseinander zu halten.
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kathleen,
Montag, 26. Februar 2007, 16:19
@goldfischli
Das halte ich aber nun für ganz wüsten Blödsinn, was Sie da sagen, mit Verlaub.
In der Schule hätte druntergestanden: Thema verfehlt.
Es geht hier darum, daß ein Qualitätsbewußtsein sich nur dann entwickeln kann, wenn eine Unterscheidung möglich ist. Und die wird erlernt, nicht qua Geburt besessen. Kindern jegliche Kritik zu ersparen, macht diese unterscheidungsunfähig, ergo ... usw.
Sie hätten mal die Blagen - und die ELTERN! - erleben sollen, die uns kürzlich eine Zugreise zur Tortur dritten Grades gemacht haben. Dann könnten Sie gar nicht mehr anders, als dem Artikel zuzustimmen.
@bluesky
Kann man dies ihn diesem Fall? Lob tut gut, Kritik kann verletzen/irritieren. Das gilt selbst für voll ausgereifte ach so beherrschte Erwachsene. [Fasst sich an die eigene Nase.]
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blue sky,
Montag, 26. Februar 2007, 16:34
Ich bin davon überzeugt, dass man den allermeisten Erwachsenen wie auch Kindern Kritik in einer Art und Weise vermitteln kann, dass sie annehmbar wird. Dass deutlich wird, dass ich nicht den Anderen als solchen kritisiere (dann macht er zu recht dicht), sondern ein Verhalten, eine Leistung oder Ähnliches. Dass man prinzipiell anderen das Gefühl geben kann, respektiert oder sogar gemocht zu werden, ohne gleich alles gut finden zu müssen, was sie sagen oder tun.
[Schwankt natürlich auch bei mir je nach Tagesform und Selbstbewusstsein.]
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svenk,
Montag, 26. Februar 2007, 17:03
Man kann Kritik vermitteln. Man tut es nur nicht mehr. Und das prangere ich an, meine sehr verehrten Damen un Herren. Entschieden prangere ich das an und mit allem Nachdruck.
Beispiel eins: In Sachen Kinderaufzucht und Hege: Eltern, die sich mit mit ihren Blagen nicht in Abteile zurückziehen, sondern sie hochfrequenzig kreischend durch Großraumwagen toben lassen, gehören gesteinigt. Am besten mit ihren Kindern in der Rolle der Steine.
Beispiel zwei: Der umgekehrte Rosenthal, auch invertiertes Hänschen (meint: das messianische Ausrasten eines qua Warmupper auf Hysterie gepawlowten Publikums beim Auftritt von Honks wie Oliver Geissen) ist peinlich far beyond Pisa.
Mir meine Meinung und Ende der Durchsage. Und jetzt ein lecker Tee.
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Öh, die Sache mit den blökenden Blagen, ja? Ich erinnere mich an die sog. antiautoritäre Erziehung, in den siebzigern war das ein Thema: Gemeint war eigentlich was ganz anderes, aber wenn Eltern sich nicht um ihre
randalierenden Kinder kümmerten, schimpften genervte Rentner früher immer mit Kreissägenstimme
"Typisch! Antiautoritäre Erziehung!" Und nie wollte einer dieser qualitätsbewussten Rentner den Unterschied zwischen Laissez faire¹ und antiautoritäer Idee überhaupt hören. Jeder versteht nur das, was ihm grade in den Kram passt - DAS ist das Problem mit den Deutschen, und nicht die Pannenstatistik vom ADAC.
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¹ sorry, vielleicht der falsche Terminus, bin weder frankophon noch Erziehungswissenschaftler: Gemeint sind Bequemlichkeit und Faulheit der Eltern, denen es egal ist, solange die Gören jemand anderem und nicht ihnen selbst auf den Nerv fallen.
² irgendwie ist das Kommentar-Abteil hier aber gar nicht das Medium für so ausufernde Diskussionen, oder? Ich geh mal auch wieder auf standby :-)
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kinomu,
Montag, 26. Februar 2007, 21:26
Wenn es zum Verständnis beiträgt, erklären Sie bitte den qualitätsbewussten Bildungsbürgern, was Sie unter "antiautoritärer Idee" verstehen und wie sich diese von "Laissez faire" unterscheidet.
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Hihi, sorry, ich bin so... Trennstrich und Fußnote sollen akademisches Dings vortäuschen ... Dings ... Wissen, Bildung, Methoden, na sowas halt. Vortäuschen.
Meine Güte, ich bestreite doch gar nicht, dass nervige Kinder nervig sind, und ihre Eltern manchmal Arschlöcher. Insbesondere in den Zügen nach Sylt.
Ich bestreite nur, dass der Artikel in der Süddeutschen den Zusammenhang zwischen bestimmten Erziehungsideen und der Freude an Dieter Bohlen beweist. Verdummt wird das Volk schon immer - und es lässt sich schon immer gerne verdummen. Nur Autor Christian Nürnberger begibt sich mit seiner Argumentation auf genau dieses Niveau, obwohl er doch lautstark die höheren Ideale vor sich her trägt...
So. Peace! Irgendwie muss ich immer das letzte Wort haben. Jetzt geb ich aber Ruhe, standby & so, versprochen! Vielen Dank für die Zeichnung.
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svenk,
Dienstag, 27. Februar 2007, 21:42
Bitteschön, kam von Herzen. Damit hatte ich doch noch das letzte Wort. Hihi.
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edol,
Dienstag, 27. Februar 2007, 16:32
längeres tröten follows....
hm, ich kann das befremden des in der gesamtheit löblichen textes gegenüber durchaus verstehen. schönschreibbewertung und ein vergleich mit mit dem jap. erziehungsystem, das ich ohne zauder grausam nennen wurde - die selbstmordrate unter den pennälern und die wahnsinnig hohe verwahrlosung vor computerspielchen, die dortzulande weit ausgeprägter ist als hier, sprechen da für sich. das japanische schulsystem bricht die kinder, und wenn es gelingt das das schülerchen sich nicht vorher das leben nimmt, tut es das noch im laufe seiner arbeitarbeitarbeit...seines restlebens. im idealfall nat. vor der pensionierung.
'im osten' gibt es "antiautoritäre probleme" maximal mit der allerneusten kinderwerfenden unterschicht, die schlicht besoffen im neubau hocken. sonst war hier, von generation zu generation, schichtübergreifend mehr oder weniger faire autorität angesagt.
ich erinnere mich, 1990 eingeschult, das die direktorenvertretung jede erste schulstunde die abc-schützen aufforderte die fingerchen auf den tisch zu legen, um zu kontrollieren ob sich dreck unter den nägeln befand. fand sie dreck, bekam man einen kleinen hieb mit dem holzlineal auf die pfötchen - wer braucht das 'Abenteuer 1900' wenn man das gleiche 90 jahre später in der frischanvereinigten ddr haben konnte ;)
und, hats mir geschadet ? ja...natürlich. von generation zu generation wurde weitergetragen das 'ein wenig strenge' eine watschen hier und da ihnen als kind nicht geschadet hätte, wieso also dem eigenen kinde - mutter, die allerdings eine ausgesucht dumme kuh ist, was hier nicht weiter ausgeführt werden soll, pflegte zu sagen:
warum soll es dir besser gehen als mir...
schönschreiben hatten wir auch - wurde ja später re-eingeführt.
was war ich glücklich. gesamte jahreshefter durfte ich auf lehrergeheiss abschreiben.
5te klasse. um das pensum zu schaffen täglich zu den hausaufgaben noch 2h schönschreiben.
was aus mir geworden ist* hat nun nicht aussliesslich mit erziehung in und um elternhaus herum zu tun gehabt. auch das allgemeine milieu aus dem man stammt, und dem, je tiefer es liegt, schwer zu entfliehen ist - wenn man soziologen glauben schenken darf tun da neben der eigenen persönlichkeit das ein oder andere quentchen bei...
aber was ich eigentlich sagen wollte -
ich, und viele der eastgermanlandjugend mit denen ich gross wurde, hätte es sicher sehr gut getan auch nur 1x lob zu bekommen (doch doch, einzweimal gab es das. aber nur für einser, in mathe auch für zweier. allerdings hatte ich davon zeit meines lebens nur einen) und weniger strafe** und kritik.
*die übliche lebenslang arbeitslose unterschichtshose
** mütter diskutierten mit erziehern manchmal wie um hunde. sollte die strafe gleich nach der 'missetat' erfolgen, oder sollte man warten und unvermittelt strafen, damit das kind hübsch verwirrt ist, und lang nachdenken muss - wafür die strafe nun gelte. man war sich zumindest darüber eher uneins.
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kathleen,
Dienstag, 27. Februar 2007, 22:59
Achherrje.
Klingt sehr ungut. Man möchte fast tröstende Hände auf Schultern legen ...
Jedoch war das hier weniger das Thema. Wir diskutieren nicht über NUR loben oder NUR kritisieren. Vielmehr ging es gerade darum der Ausgewogenheit von Beidem - zwecks Erwerben einer Unterscheidungsfähigkeit auf Seiten der Kinder - das Wort zu reden.
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edol,
Mittwoch, 28. Februar 2007, 18:53
right...
daher auch die so empfundene löbl. gesamtheit des verlinkten textes...da geh ich ja in grossen teilen d'accord - nur die dort angeführten vergleiche schienen mir etwas...nunja.
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