09.03.07 | 04:50 | 1142 x gelesen
Über das Lüpertz.
„Der Skandal steht der Vollendung im Wege.
Und ich beschäftige mich mit Vollendung
und nicht mit Skandalen.“
(Markus Lüpertz, Pinselschwinger.)
„Die Studenten denken immer, die studieren was.
Das ist Quatsch! Du kannst nix studieren!
Du musst SEIN!“
(Markus Lüpertz, Professorinterpret.)
„Muss ja nicht immer ich Schuld sein. Könn’
ja auch mal die anderen Schuld sein.“
(Markus Lüpertz, Philosoph.)
„Kunst ist wie Blumen begießen.
Einmal vergessen, stirbt die Blume.“
(Markus Lüpertz, Botaniker.)
„Ich bin zu eingebildet, um neidisch zu sein.“
(Markus Lüpertz, Motivationstrainer.)
„Die einzige Wahrheit, die es gibt im Leben
ist: du wirst geboren, du stirbst.“
(Markus Lüpertz, Existenzialist.)
Meine Eltern haben eine Leinwand von Markus Lüpertz im Wohnzimmer hängen. Sie sei nix wert. Sagen die Kunstagenten. Die Kunstagenten sagen, die Frühwerke von Markus Lüpertz, mit „Markus“ signiert, seien nicht dotiert. Er habe in seiner wilden Jugend einfach zu viel verschenkt. Nähme man die Bilder alle in den Katalog auf, würde das die Preise verderben. Scho recht. Man muss ja leben.
Ach ja.
Die Beuteleinwand meiner Eltern ist drei Quadratmeter groß. Stand angeblich ursprünglich unbehandelt in der junglüpertzschen Garage. Wurde dann vom Mann in einer künstlerisch-alkoholgestützten Krisensituation mit einem Messer diagonal zerschnitten. Und, so die Mär, weil nur wenig Geld für neue Leinwände da war, wurde sie in einer darauf folgenden Nacht stilvoller Bohème mit Draht wieder geflickt – und dann in melodramatischer Pose bemalt, mit Ultramarinblau und Ocker. Dazu fällt mir ein Zitat vom Mann ein: „Mit Ocker und Braun kannste nix vesau’n“. Juveniles Lüpertz-Zitat Ende.
Das fertige Werk wurde dann vom Lüpertz, damals noch Markus, in wonnevoll besoffener Nacht signiert und an meine ebenfalls besoffenen Eltern verschenkt, die es aus der Garage gleich ins traute Heim verbrachten („Er hätte es sich ja wieder anders überlegen können, wir kennen ja Künstler, also flugs, flugs!“)
Die drahtvernähte Leinwand mit den grob gespachtelten blauen und siennabraunen Flächen sei übrigens, so die Fama und meine Eltern, in jener stinktrunkenen Nacht noch schnell und mit jovialer Geste „Das geteilte Deutschland“ getauft worden (der Draht, die einenden Farben). Das geteilte Deutschland hängt seither im Hause meiner Eltern mal im Wohnzimmer, mal über dem Essenstisch und begleitet das Leben der Familie, zunächst in Mönchengadbach, dann in Villingen, dann in Krefeld, dann in Köln und nunmehr in Tinnum, Sylt (Ost) und in Berlin.
Unsere Gastschwester Anna Vera Wanda Verena Winterberg hat übrigens in Kindertagen mal Quark drauf gespuckt, prustend hat sie eine zuckersüße Pfirsichquarkspeise auf den Lüpertz gespuckt, weil sie der Tatsache Nachdruck verleihen wollte, dass sie Quarkspeisen nicht mag.
Die Restaurierung des quarkgestützten Lüpertz, so ein Restaurator, würde gut was kosten. Weil das Bild aber, wie gesagt, laut Händler nix wert ist, sehen meine Eltern von einer Restaurierung ab und so hängt das geteilte Deutschland vom Lüpertz, damals noch Markus, bis heute im Haus meiner Eltern. Mit dem Quark von Anna Vera Wanda Verena Winterberg.
Ich mag das Bild. Nur das besoffene Bild mit dem Quark. Meine Gastschwester hat mittlerweile, so meine Eltern, ein Kind bekommen und die ARD zeigte gestern ein Portrait von Markus, heute Professor und Lüpertz.
Hätten Sie mal ein Bild vom Bild? Klingt spannend.
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edol,
Freitag, 9. März 2007, 11:16
herrlich. und gerade recht. der lüppertz nervt ja, wie er auch untbehrlich ist. also gleichzeitig. feine zitate.
und: geeeerade eben, nach ewiger abstinenz bild versaut. also eher die leinwand. man was war di teuer. 80x120 - bestimmt 30€ in der gerstaecker winteraktion. nur mit spenden finanziert. und trotzdem...schade. und das ich mitm spachtel durchkam war auch nicht absichtlich....
aber ich habs mit einem supertitel gerettet. aber wo jetzt den j. meese gibt ist eh alles zu spät. der arsch hat meine position eingenommen. der langsam einfallslos furierende superstar wollte ich eigentlich sein. also damals. vor 5 jahren.
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svenk,
Freitag, 9. März 2007, 15:52
Kunst kommt von Conan. Las ich grad. Bei Meese. Der inszeniert sich als Psycho, als wäre er gerade aus der Zwangseinweisung geflohen, aber das hat man ja so als junger Künstler. Wird ja immer wieder gern genommen.
Aha.
Meese, Jonathan, also. Den hat man heutzutage in "weiß nicht wohin mit meinem Geld"-Kreisen? U-ha. Die volle Packung. Vorlieben scheint's Connery meets Klimt meets Wagner meets Schwarzenegger und Koketterie mit dem Theater sowie ein romantisierender Retromilitarismus Typ 1914. Klar, dass die Juristen ihn lieben. Schade nur, dass er keinen Krieg hat, wie Marc, in den er ziehen kann und in dem er zügig tot bleibt (was sag ich nur, was sag ich nur, ich kenn den Mann ja gar nicht).
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habe ihn mal in wotan-wirr-bekifft-pose bei einer eröffnung in berlin hinter dem katalogtisch sitzen sehen. das gegenteil von ihm, ein allzu adretter galeriemitarbeiter, wollte mir einen katalog verkaufen, für 50 euros. "und wenn sie glück haben, dann zeichnet ihnen unser jonathan noch eine kleine zeichnung hinein, hihi...". ich hätte es machen sollen, für die rente. ich habs sein lassen, fürs gewissen...
er sei aber "ganz nett" meinte neulich ein kumpel, der mit ihm ein bier trinken war. also dann: simmer halt wieder gutt!
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edol,
Freitag, 9. März 2007, 23:11
man fühlt sich eben als so psychopathische künstler unter sich irgendwie verpflichtet.
ich bilde mir ein mich zu erinnern als ich noch, also äh jünger war, und noch nicht einfach so jugendarbeitslos sondern noch dauerpraktikant war, hätte mich einmal eine praktikumstante die irgndwie auch kuratorin u. mitglied in irgendeinem bundesbeiratskunstdings ist, sich von mir an den gerade grosswerdenden meese erinnert fühlte, der für einen ersten und vermutlich letzten kunsteklat in der heymatstadt zu Z sorgte - indem ihm ein erfahern dümmlicher bauarbeiter der dort (heute noch?) CDU bürgermeister ist, die kunst absprach und den zutritt wegen PORNOGRAPHIE für alle unter 18 verbot....gnihihi.
als ich lüppe mal auf arte sah, das war noch ehe es die grandiose reihe 'durch die nacht mit...' gab - zusammen mit einem fussballmoderator u.va aber mit blixa bargeld...auf der arena auf schalke (die damals wohl auch noch so hiess) war ich sehr entsetzt-enttäuscht - denn lüppe stützte sich auf das stöckchen mit dem totenkopf den ich zu meinem erkennaccesoire machen wollte - laut sparplan hätte ich für ein solch versilbertes stöckchen etwa 15 jahre sparen müssen - ich will garnich wissen wieviele jahre zuvor lüppertz schon mit dem stöckchen rumlief.
wenn man mit solchen rückschlägen konfrontiert wird verliert man nat. den glauben in die kunst. was soll denn das werden wenn man als psychopath und stöckchenträger schon im vorheraus kopiert wurde - soll ich etwa nur bilder malen?
so wird das nix mit der karriere...tz.
;-)
und

und
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svenk,
Freitag, 9. März 2007, 23:39
Bilder malen, sich betrinken und dann, obwohl man in einer Tour grantelt, doch ganz nett gefunden werden ist, wenn ich so drüber nachdenke, doch mal ein Anfang. Was tut man nicht ;) ARGH ! (fehlt noch in meiner Sammlung, unbedingt notieren).
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kid37,
Samstag, 10. März 2007, 19:40
Ja, Rente! Daran dachte ich, zu kurz, zu spät, als ich neulich mit Jonathan M. in Berlin in der S-Bahn fuhr. Er wohl zum Bahnhof, heim zur Mamá, ich heim zu wundervollen Pasta und Dingen, die nicht hierher gehören. Jedenfalls zu spät daran gedacht, dem jungen ERZ-Rivalen ein weißes Blatt zum Signieren hinzuhalten, ach bitte, Herr Meese-Meister, ein Autogramm, rechts unten, wenns recht ist. Um dann später, heimlich, einen großen Pimmel auf die Seite zu setzen und dann - noch später - eine Rente daraus zu machen.
Der Lüpertz jedenfalls, der muß sein. Schon allein, um einer Kollegin - die den Friedman interviewte, seinen Geist lobte, mein Augenrollen und Furor erntete (beides berüchtigt) und debattierte: "Aber, der Immendorff...?" - entgegnen zu können: "Wie Immendorff? Was ist das für ein Vergleich! Der und [groß ausholende Armgeste] der Lüpertz, der muß sein!"
(Bißchen lang geworden, aber nun ist es vollbracht.)
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edol,
Sonntag, 11. März 2007, 01:01
keine schlechte penisidee...
und genau, der imme...der imme pha...ders doch behindert und lässt mit den pinseln junger gehülfen oder eheweiber malen. das gilt nicht. penisse selbst malen indes gilt!
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Nix wert und doch unbezahlbar. Schönster persönlicher Marktwert für ein Bild.
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