14.04.07 | 14:31 | 2694 x gelesen
Ich war seit fast acht Stunden schon im Internet – ganz kurz vor dem nächsten Posting – und hielt mich mächtig ran. Die Sonne ging fast schon auf – als ich online stellen wollte. Die externe Platte dröhnte neben meiner Hand – mein Laptop hatte Netz – als auf den Schirm der Kommentar eines kleinen Jungen kam. Er schrieb nur, völlig off topic: „Hier Teddybär14 – ist da irgendwer? Wenn, dann poste doch zurück – und antworte auf den Kommentar vom Teddybär!“
Bis zum Backup war’s nicht mehr weit – doch ich kam ganz gut voran, also öffnete ich ein Kommentarfenster und tippte ganz spontan: „Hey, ich schreib’ an Teddybär – wo ist der junge Mann? Ich bin noch online – liest Du meinen Kommentar?“
Wieder und wieder drückte ich F5 – ich wollt schon offline geh’n, da kommentierte der Junge: „Hey, Blogger, bist du auch noch online?“ Ich schrieb „ja“ – da fing er zu tickern an: „Jeden Tag von früh bis spät schalte ich den Computer ein. Sitz’ im Rollstuhl, kann nicht geh’n – und bin hier ganz allein und meine Mutter arbeitet. Sie sagt: ‚das muss so sein.’ Denn Daddy war beim CCC, starb vor ’nem Jahr auf der Datenautobahn. Er war ein Blogger, so wie du – bis er endgültig offline ging. Mama sagt mir oft, wir schaffen es – und tut als wenn nichts wär’, doch jede Nacht hör ich sie weinen. Ich weiß sie hat’s sehr schwer.“
Und während er so tickerte – da fiel es mir doch auf: Ich hatte mehr Hits als sonst zu der Uhrzeit, alle lasen jetzt bei mir. Er schrieb: „Das Pseudonym von Daddy, das gehört jetzt mir. Es ist der schönste Zeitvertreib mit einem so wie dir. Auch Daddy schrieb von unterwegs mit mir Genauso wie jetzt du. Und eines Tages schrieb er dann: „Mein Junge, hör mir zu: Einmal richte ich Dir dein eigenes Weblog ein.“ Doch leider wurde nichts mehr draus.
Ich hörte die Enttäuschung die aus diesen Worten klang. Ich hatte alle meine Erotikchatfenster geschlossen, das packte mich doch an. Das ging mir zu Herzen, ich pfiff auf Chat und Zeit. Denn alle konnten warten, Nur dieser Junge nicht, tut mir leid. Ich sagte „Teddybär, wo hostest du? Wo finde ich dein Blog?“ Was ich zu tun hatte das wusste ich längst schon, nur dieser kleine Blogger, der ahnte nichts davon. Er gab mir eine geheime Blogadresse, sagte: „Lebe wohl und irgendwann vielleicht, bloggst du mal bei mir, das wäre schön, wenn mich Dein Kommentar erreicht.“
Er loggte aus. Ich surfte sein Blog an und schrieb einen seitenlangen Eintrag. Ein letzter Absatz, ich war fertig, doch dann glaubte ich nicht was ich in den Kommentaren las: Da schrieben 18 A-Blogger, ich war den Tränen nah. Sie hatten alles mitgelesen und kommentierten bei ihm rein. Ja, einer nach den andern setzte ein Trackback auf den Teddybär. 18mal Trackback hin und 18 Trackbacks zurück; ich war ganz als letzter dran und linkte ihn wie blöd.
Ich hab noch nie einen Blogger gelesen der so restlos glücklich war wie er. Seine Referrer wurden mehr und mehr, es war einfach wunderbar! Dann postete er: „Blogger glaube mir, das war eine Schau! Ich kommentier’ wieder bei Dir im Blog, das weiß ich ganz genau!“
Und er schickte Reihen von Smileys, seit Zeilen schon. Ich tippte ein herzliches *umarm* und schrieb: „Ist schon gut, mein Sohn.“
Dann, ich schrieb schon das nächste Posting – mein Laptop hatte noch Akku – als auf einmal bei mir eine Frau kommentierte. Sie schrieb, und man merkte es, das tippen fiel ihr schwer: „Hier ist Bärchen69, hier spricht Mutter Teddybär. Den schönsten Tag in seinen Leben habt ihr meinem Kind gegeben. Niemals mehr kann ich vergessen, wie ihr zu meinen Jungen wart. Ich danke euch – und allzeit gutes Bloggen!“
[Sekundärliteratur, zwo, drei, vier.]
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