Saturday, 26. May 2007
Stating The Obvious
sven k.
17:46h
Ich verspüre ein Drängen, einen dringenden schriftstellerischen Zwang, heute über die eine Sorte Kommentare zu schreiben, welche von Leuten gemacht wird, die zu viel amerikanisches TV schauen. Ich sage Ihnen gleich: diese Kommentare lösche ich kommentarlos, da können Sie kommentieren was Sie wollen. Das sind die ganz wenigen Momente, da ich mich in meinem Weblog und in meinem Flickeralbum als erbarmungsloser blutrünstiger Diktator aufspiele, als Idi Admin, gespielt von dem großen schwarzen Charakterdarsteller Klaus Kinski in der Regie von Mbuku Herzog. Ja, da werde ich zum Tier – anstatt, wie es die Natur des Menschen ist, in ständiger Erwartung des Todes in Ruhe meine Frau zu füttern und die Katze zu vögeln.
„Was hat der Onkel denn jetzt mit den Kommentaren?“ Mögen Sie sich fragen. Zu Recht. Legen Sie sich über mein Knie und machen Sie den Popo frei, ich muss ein wenig ausholen.
In Amerika werden die Drehbücher für Zuschauer geschrieben, die gar nicht hinschauen, wenn die Kiste an ist. Das ist wahr. Achten Sie mal drauf. Da steigt der Ermittler auf eine Kiste und sagt gleichzeitig zu seiner Co-Ermittlerin, obwohl Kollegin direkt hinter ihm steht: „Ich steige jetzt auf diese Kiste.“ Das schreiben die amerikanischen Autoren so, damit die Zuschauerin, die gerade in der Küche zu GEMA-freier Musik den netten jungen Mann vom Poolreinigungs-Service poppt, weiß, was Kiefer Sutherland währenddessen treibt, und das ohne den Blick von den Schamhaaren vor ihren Augen zu wenden. Man nennt das „stating the obvious“.
In den Kommentaren von Weblogs (dieser dank interaktiver Werbung und Sascha Lobo sich werbend aufbäumenden, revolutionären neuen Nuller-Kulturform¹ auf dem Weg zur spätägyptischen Hochkultur) gibt es die Variante, das „re-stating the obvious“, und das geht so: Hinter der Klickverlockung „10 Kommentare“ erwarten die Autoren in solchen Fällen nach einem Artikel über Abtreibung: „Oh, Schätzchen, Du hast abgetrieben!“ Nach ergreifenden Worten zum Tod eines Verwandten: „Ach, Deine Mutter ist an ihrem Krebs gestorben! Sag mir Bescheid ob ich noch ein Salätchen zum Leichenschmaus mitbringen soll.“ Dieses Phänomen nannte ich wie? Richtig. Und jetzt alle: „re-stating the obvious“.
Kommen Sie mir bloß nicht damit.
Was soll das denn? Nachdem der Autor des Blogs, dieser Mitschöpfer jener preisenswürdigen literarischen Ausdrucksform, die ihre Zeit noch vor sich hat (natürlich präsentiert vom „Kleinen Feigling“) also etwas Eindeutiges gesagt hat wiederholt es der Kommentator noch einmal für alle? Was für ein Blödsinn, denn Blogs werden nicht für Menschen geschrieben, die sich während der Lektüre im Nebenraum aufhalten. Sie sitzen vor dem Monitor. Sie sehen, was Sache ist. Sie brauchen keinen Kommentar, in dem steht: „Aha, Ursula! Hast Du also tatsächlich was mit dem netten jungen Mann vom Poolreinigungs-Service!“
Eine wirkliche Hochkultur entsteht doch nicht aus Redundanz (und Redundanz ist kein Kurort am Gardasee)! Das wiederkäuen der bekannten Hülsen des Offensichtlichen führt zu nichts außer zu Peinlichkeiten wie der großen Koalition und wer bitte wollte die, wer findet die glaubwürdig? Nicht mal die Werbeindustrie würde in die große Koalition investieren. Verständlich – wer würde auch mit oder im Umfeld der Berliner Regierung werben? „Die Gesundheitsreform wurde Ihnen präsentiert von …“ Ja, eben da fällt einem nichts mehr ein. Undenkbar. „Angela Merkel wurde Ihnen präsentiert von Laboratoires Garnier: ‚Ich nehme Ihre Falten auf mich.’“ Naja …
Also. Weg mit den Hülsen, Krieg den Redundanzen!
Wenn mir also noch mal jemand unter meine Flicker-Katzenbilder, auf dem eine Muschi kurz vor dem Absprung abgebildet ist schreibt: „Ui, gleich springt sie“, dann werde ich, obwohl im Weblog – dieser literarischen Revolution an der Schwelle zum neuen Jahrtausend (präsentiert von KROMBACHER) – eigentlich Meinungsfreiheit herrscht, gnadenlos löschen.
Und dann werde ich Trost bei der Nachbarin suchen und das nicht aus niederen sexuellen Gründen, sondern weil ich ihr Kätzchen mag.
„Was hat der Onkel denn jetzt mit den Kommentaren?“ Mögen Sie sich fragen. Zu Recht. Legen Sie sich über mein Knie und machen Sie den Popo frei, ich muss ein wenig ausholen.
In Amerika werden die Drehbücher für Zuschauer geschrieben, die gar nicht hinschauen, wenn die Kiste an ist. Das ist wahr. Achten Sie mal drauf. Da steigt der Ermittler auf eine Kiste und sagt gleichzeitig zu seiner Co-Ermittlerin, obwohl Kollegin direkt hinter ihm steht: „Ich steige jetzt auf diese Kiste.“ Das schreiben die amerikanischen Autoren so, damit die Zuschauerin, die gerade in der Küche zu GEMA-freier Musik den netten jungen Mann vom Poolreinigungs-Service poppt, weiß, was Kiefer Sutherland währenddessen treibt, und das ohne den Blick von den Schamhaaren vor ihren Augen zu wenden. Man nennt das „stating the obvious“.
In den Kommentaren von Weblogs (dieser dank interaktiver Werbung und Sascha Lobo sich werbend aufbäumenden, revolutionären neuen Nuller-Kulturform¹ auf dem Weg zur spätägyptischen Hochkultur) gibt es die Variante, das „re-stating the obvious“, und das geht so: Hinter der Klickverlockung „10 Kommentare“ erwarten die Autoren in solchen Fällen nach einem Artikel über Abtreibung: „Oh, Schätzchen, Du hast abgetrieben!“ Nach ergreifenden Worten zum Tod eines Verwandten: „Ach, Deine Mutter ist an ihrem Krebs gestorben! Sag mir Bescheid ob ich noch ein Salätchen zum Leichenschmaus mitbringen soll.“ Dieses Phänomen nannte ich wie? Richtig. Und jetzt alle: „re-stating the obvious“.
Kommen Sie mir bloß nicht damit.
Was soll das denn? Nachdem der Autor des Blogs, dieser Mitschöpfer jener preisenswürdigen literarischen Ausdrucksform, die ihre Zeit noch vor sich hat (natürlich präsentiert vom „Kleinen Feigling“) also etwas Eindeutiges gesagt hat wiederholt es der Kommentator noch einmal für alle? Was für ein Blödsinn, denn Blogs werden nicht für Menschen geschrieben, die sich während der Lektüre im Nebenraum aufhalten. Sie sitzen vor dem Monitor. Sie sehen, was Sache ist. Sie brauchen keinen Kommentar, in dem steht: „Aha, Ursula! Hast Du also tatsächlich was mit dem netten jungen Mann vom Poolreinigungs-Service!“
Eine wirkliche Hochkultur entsteht doch nicht aus Redundanz (und Redundanz ist kein Kurort am Gardasee)! Das wiederkäuen der bekannten Hülsen des Offensichtlichen führt zu nichts außer zu Peinlichkeiten wie der großen Koalition und wer bitte wollte die, wer findet die glaubwürdig? Nicht mal die Werbeindustrie würde in die große Koalition investieren. Verständlich – wer würde auch mit oder im Umfeld der Berliner Regierung werben? „Die Gesundheitsreform wurde Ihnen präsentiert von …“ Ja, eben da fällt einem nichts mehr ein. Undenkbar. „Angela Merkel wurde Ihnen präsentiert von Laboratoires Garnier: ‚Ich nehme Ihre Falten auf mich.’“ Naja …
Also. Weg mit den Hülsen, Krieg den Redundanzen!
Wenn mir also noch mal jemand unter meine Flicker-Katzenbilder, auf dem eine Muschi kurz vor dem Absprung abgebildet ist schreibt: „Ui, gleich springt sie“, dann werde ich, obwohl im Weblog – dieser literarischen Revolution an der Schwelle zum neuen Jahrtausend (präsentiert von KROMBACHER) – eigentlich Meinungsfreiheit herrscht, gnadenlos löschen.
Und dann werde ich Trost bei der Nachbarin suchen und das nicht aus niederen sexuellen Gründen, sondern weil ich ihr Kätzchen mag.
_________________________
¹ Ich meine natürlich die Nullerjahre, was soll ich sonst sagen.
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der_lemming, 2007.05.26, 18:03
Sie hassen also re-stating the obvious!
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edol, 2007.05.26, 19:51
hossa, redundanzapproved
- und das alles wo ich doch mit kritik nicht umgehen kann!
von springen war keine rede, was ich stattdessen schrieb hab ich natürlich vergessen, was keineswegs rückschlüsse auf die qualität des notizelchens (kein kommentar, eine nohhhtiz) zulässt. ausserdem, sah ich mich gezwungen, als legitime nachfolgerin konrad lorenzs anderen mein fachwissen zu vermitteln, da katzengesichter keineswegs so einfach zu deuten sind, was einfach bewiesen werden kann, da katzen und hunde oft einfach so sterben weilse nicht bescheid sagen können was sie haben. wie viele tiere. des weiteren überlege ich eine sammelklage, da ich durch solche kommentarlosen kommentarauslöschungen erheblich an meiner geistigen dings zweifle, und immerzu denke...da hab ich doch, oder doch nicht - also...alternativ ist natürlich auch zu jedem von mir gelöschtem blogeintrag ein blogeintrag zum thema warum blogeinträge löschenswert sind denkbar. evtl. illustriert. /bitte löschen (ich finds extrem unsymphatisch wenn man statt betroffen zu schweigen auch noch lange kommentare schreibt, aber manchmal muss man sich über sich selbst hinwegsetzen)
und ausserdem weiss ichwo dein auto steht deine telefonnummer!
von springen war keine rede, was ich stattdessen schrieb hab ich natürlich vergessen, was keineswegs rückschlüsse auf die qualität des notizelchens (kein kommentar, eine nohhhtiz) zulässt. ausserdem, sah ich mich gezwungen, als legitime nachfolgerin konrad lorenzs anderen mein fachwissen zu vermitteln, da katzengesichter keineswegs so einfach zu deuten sind, was einfach bewiesen werden kann, da katzen und hunde oft einfach so sterben weilse nicht bescheid sagen können was sie haben. wie viele tiere. des weiteren überlege ich eine sammelklage, da ich durch solche kommentarlosen kommentarauslöschungen erheblich an meiner geistigen dings zweifle, und immerzu denke...da hab ich doch, oder doch nicht - also...alternativ ist natürlich auch zu jedem von mir gelöschtem blogeintrag ein blogeintrag zum thema warum blogeinträge löschenswert sind denkbar. evtl. illustriert. /bitte löschen (ich finds extrem unsymphatisch wenn man statt betroffen zu schweigen auch noch lange kommentare schreibt, aber manchmal muss man sich über sich selbst hinwegsetzen)
und ausserdem weiss ich
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saoirse, 2007.05.27, 00:52
Ui, gleich springt er rastet der Zeichner aber richtig aus.
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nopasaran, 2007.05.27, 02:41
Schnurrli was soll das? Was ficht dich an?
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marielsd, 2007.05.27, 12:54
wie, du willst ech nich, daß man wiederholt, was du schon geschrieben hast? und du willst diese kommentare echt löschen?
gnaha :-)
gnaha :-)
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ivob, 2007.05.27, 14:12
im Grunde sind einige "Blogkommentierer" wie Grafitti-Sprayer ... viele Kommentare geben viel Fame.
Glauben Sie zumindest.
Glauben Sie zumindest.
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edol, 2007.05.27, 18:34
Fame, its not your brain, its just the flame
That burns your change to keep you insane (sane)
Fame (fame)
Fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame ,fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame, fame
Fame
Whats your name?
tüdelü - ich bin ein virtueller schmierfink, ein wandverschandler - und nun wüsst ich noch gerne warum der jazztanz beim nickibild entfernt wurde, oder war das auch zu obvious ? ;) und: der schreibmaschinenkommentar muss noch weg, zackzack!
That burns your change to keep you insane (sane)
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Fame
Whats your name?
tüdelü - ich bin ein virtueller schmierfink, ein wandverschandler - und nun wüsst ich noch gerne warum der jazztanz beim nickibild entfernt wurde, oder war das auch zu obvious ? ;) und: der schreibmaschinenkommentar muss noch weg, zackzack!
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sven k., 2007.05.27, 18:52
Was habe ich verbrochen, um diesen Kindergarten hier zu haben. Menschen die Denkfähigkeit und jedwede Erziehung und Respekt ablegen, sobald sie ein Kommentarfenster öffenen (Anwesende Sprachwissenschaftlerinnen, ich sage das aus gutem Grund, ausdrücklich ausgenommen). Manchmal spiele ich mir dem Gedanken knallhart zu grönern (die Kommentare abzusperren). Ich meine albern - gut. Aber alles und immer analbern, stimmt da stimmt der Vergleich mit den Sprayern sehr gut. Hauptsache die tags irgendwo hingerotzt. Weil es geht. Nicht mal was originelles nur die tags und weil es geht. Sagte ich schon, dass ich das für zum Kotzen und respektlos halte? Call me reaktionär und you well don't know me überhaupt nicht.
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Anke5, 2007.05.28, 20:18
Ich bin ein Wort! Ich bin ein Wort!
(Über amerikanische Serien und Kiefer reden wir nochmal.)
(Über amerikanische Serien und Kiefer reden wir nochmal.)
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