29.01.08 | 00:37 | 828 x gelesen
Ich kann jetzt Fritten.
Ich hatte ja mit mehrtägigen Versuchsreihen gerechnet, mich auf labberige bis verkohlte Kartoffelmahlzeiten eingestellt.
Aber nein.
Ich kann jetzt Fritten.
Man gebe mir ab sofort eine Friteuse, eine Handvoll mehligkochende Kartoffeln und Salz. 10 Minuten später habe ich die Kartoffeln in perfekt goldgelbe, außen krosse, innen cremige Fritten verwandelt, die auch auf dem Teller kross und strohig bleiben. Mein Trick: man ignoriert bezüglich der Initialtemperatur des Frittierfetts ostentativ die Richtwerte sowohl von Paul Bocuse (180 °C) als auch den Richtwert der Nordrhein-Westfälischen Gesundheitsbehörden für Gaststätten und Kantinen (maximal 175 °C). Rein mit den Stäbchen bei 190 °C, Friteusendeckel (falls vorhanden) offen lassen, Temperaturregler runter auf 160 °C, fünf Minuten schmurgeln lassen. Währenddessen ein paar Mal mit einem Löffel durchmischen, damit die Fritten nicht miteinander verkleben. In dieser ersten Phase bildet sich am Anfang außen eine Stärkekruste, die dafür sorgt, dass sich die Fritten nicht mit Fett voll saugen, danach werden sie bei fallender Temperatur von innen her gegart. Nach fünf Minuten den Frittierkorb raus aus der Friteuse, gut Fett abschütteln, Fett wieder ganz heiß machen – jetzt auf 180 °C (hier stimmt jetzt Bocuse wieder zu, nicht jedoch die Nordrhein-Westfälische Regulierungsbehörde). Dann noch mal für 2-3 Minuten rein (Deckel zu) mit dem Korb – bis die Fritten schön goldbraun sind. Schließlich wieder raus aus der Friteuse, noch mal ordentlich Fett abschütteln in eine Schale damit und salzen. Mahlzeit. Tataaa.

Hach. Es sind ja die einfachen Sachen, die das meiste Fingerspitzengefühl verlangen. Aber ausprobieren macht Spaß, besonders wenn sich Erfolg einstellt und Kochen lernen insbesondere ist ja auch immer der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Tiefkühltruhe.
Nebenbei verringert jede Tiefkühltruhe, die nicht gebraucht wird den Energieverbrauch und damit meinen persönlichen Pro-Kopf-CO2-Ausstoß. Fritten für das Weltklima! Gut, man könnte jetzt auch mit dem bekannten Spielverderber Louis Camille Maillard fragen: „Acrylamid gegen die globale Umweltkatastrophe?“ Dann aber sei auch folgende Gegenfrage gestattet: ist nicht das ganze Leben sowieso irgendwie nur eine sehr ausgedehnte Palliativmaßnahme?
Weiter mit Imbissstuben-Jukeboxmusik.
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Der kochende Zeichner |
2008.01.29, 00:37
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heikeh,
Dienstag, 29. Januar 2008, 03:30
weia
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svenm,
Dienstag, 29. Januar 2008, 08:43
ist doch völlig überbewertet.
web.archive.org
Auf Kruste & Maillard muß man eh verzichten, wenn man ins Schnabeltassenalter kommt, also sollte man vorher ordentlich zulangen.
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dass Ihnen die Marion hier reinschneit.
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brittbee,
Dienstag, 29. Januar 2008, 11:33
Am Sonntag habe ich aus der Erbmasse einer verstorbenen Freundin ein Pommesschneidegerät aus Edelstahl mitgenommen. Und nun fühle ich mich wirklich inspiriert, gleich mal welche zu machen. Sind Deine handgeschnitzt? Wirklich mehligkochende? hach, was für ne Wissenschaft...
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sven k.,
Dienstag, 29. Januar 2008, 16:23
Verstorbene Freundin ist natürlich erstmal traurig. Ich hoffe, alles ist in Ordnung! Um die Frage zu beantworten: Meine Pommes sind tatsächlich handgeschnitzt, ist auch gar nicht so schwer, alle so um die 7-8mm im Durchmesser. Und, ja: mehligkochende. Die (und die hohe Hitze) machen wegen des höheren Stärkegehalts die Außenhaut schneller mit einer dünnen Kruste dicht, das passiert ganz am Anfang und ist immens wichtig; wenn das nämlich nicht passiert, saugen sich die Fritten mit Fett voll und werden, egal wie lange man weiterfrittiert, so labberig wie die Schwänze unlustiger Geliebter (nicht dass mich das als Hetero affizierte, aber auch ich liebe die kleinen Stäbchen kross).
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sven k.,
Dienstag, 29. Januar 2008, 16:25
@serotonic: das sind meine eigenen Fritten, selbstgeschnitten und fottofiert. Die Marion kann meinetwegen in Ihrem ranzigen Abmahnfett verschmurgeln bis es raucht.
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brittbee,
Mittwoch, 30. Januar 2008, 10:27
Verstorbene Freundin ist traurig, aber in diesem Fall ist es versöhnlich und tröstlich, to cut a long long story short.
Kompliment, die sind ja filigran als seinen sie gemalt. Ich habe bisher die grobe englische Variante bevorzugt. Also, bei den Pommes, nicht bei den Schwänzen Geliebter.
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sven k.,
Mittwoch, 30. Januar 2008, 19:48
Grob englisch brate ich Dir bestenfalls das mindestens dreieinhalb Zentimeter hoch geschnittene Rumpsteak zu den Fritten bevor ich es Dir in einem Hauch von Rüßrahmbutter mit einer Ahnung von Knoblauch und Pfeffer serviere. Beim Essen können wir uns dann, wenn es opportun erscheint, gern weiter über die Aggregatzustände testosterongesteuerter Aggregate unterhalten.
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brittbee,
Donnerstag, 31. Januar 2008, 17:40
:-)
wie dumm daß ich auf diät zu sein plane.*äh*
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sven k.,
Freitag, 1. Februar 2008, 06:19
Ach! Und och. Wenn es irgendwie in meiner Macht steht (obwohl ich nicht aussehe wie Adrien Brody), würde ich mich überglücklich schätzen, Deine Diät in meiner bescheidenen Heimstatt zeitnah mit einer reelen Portion Fritten und einem guten Rumpsteak torpedieren zu dürfen.
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kid37,
Freitag, 1. Februar 2008, 09:57
Aber nur, ganz nebenbei, wenn ich mich dazusetzen kann, um an einer Zucchini zu schnitzen.
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kinomu,
Mittwoch, 30. Januar 2008, 16:14
Apropos Tiefkühltruhe: hier hat es sich bewährt, die Fritten vor ihrem zweiten Ölbad einzufrieren - so werden sie noch knuspriger.
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sven k.,
Mittwoch, 30. Januar 2008, 19:52
Hm. Also knuspriger als mit der oben beschriebenen Methode stelle ich mir anstrengend vor.
Davon ab, kannst Du erklären, wo der Vorteil dieser Methode sein soll, abgesehen davon dass es Stunden länger dauert, bis das Essen auf dem Tisch ist? Was macht das Einfrieren mehr, als vor dem zweiten Frittiergang dafür zu sorgen, dass das mühsam wieder auf 180°C hochgefahrene Fett sich gleich wieder schockartig auf etwa 120°C abkühlt, was es doch nicht soll, da es die hohe Hitze braucht, um die im ersten Frittiergang erhaltene Kruste optisch und geschmacklich zu perfektionieren?
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mariong,
Donnerstag, 31. Januar 2008, 09:20
das wollt ich auch grad sagen. Meine Mama hat die Fritten früher selbst gemacht (vor 30 Jahren), geschnitzt, im normaleln Topf fritiert und portionsweise eingefroren. Dann bei Bedarf 1 Portion raus aus dem Froster und nochmal fritiert. Klingt blöde. War aber sehr knusprig und lecker. Viel besser als die nur 1xfritierten.
Keine Ahnung warum, hat aber funktioniert.
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kinomu,
Freitag, 1. Februar 2008, 00:11
Als einzigen Vorteil sehe ich, daß die gelben Stäbchen so knuspriger werden - aber kann gut sein, daß dieses Ziel auch mit deiner Art der Zubereitung voll erreichbar ist.
Warum sie durch das Einfrieren knuspriger werden, kann ich leider nicht erklären.
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Nun ja, für mich liest sich das so einfach wie die Anleitung "Mondlandung für Heimwerker in nur 33 Schritten".
Aber ich habe ja keine Friteuse. Deshalb muss ich das jetzt auch nicht probieren. :-) Fritten mag ich trotzdem.
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