03.02.08 | 05:04 | 5727 x gelesen

Alter Schwede!

„Här kommer Pippi Långstrump,
tjolahopp, tjolahej, tjolahoppsan sa.
Här kommer Pippi Långstrump,
ja här kommer faktiskt jag.“
(Schwedische Nationalhymne)

Der Kartoffelpunk sinniert darüber, wie viel die IKEA-Produktmanager wohl geraucht haben, um sich für ein Möbel den Namen POÄNG auszudenken. Er argwöhnt:

„Bekannt ist, dass die Marketing-Menschen von IKEA sich monatlich die Rübe dichtharzen und Produktnamen erfinden, die sich schwedisch anhören aber im Deutschen hochgradig zwielichtige Assoziationen auslösen.“

Ganz so einfach ist das nicht. Sagen wir mal: Honig ist, wer Schlechtes dabei denkt. Allerdings ist das Schwedische in der Tat geeignet, den tumben Teutonen zu verwirren. Das hübsch lautmalerische „Poäng“ ist nämlich tatsächlich ein amtliches schwedisches Wort, aber nicht für anale Herausforderungen, nein es heißt schlicht „Punkte“; das zu wissen ist nützlich, denn im Rahmen einer dreijährigen Universitätsausbildung ist man als Student zum Beispiel angehalten, „120 poäng“ zu sammeln, und das heißt eben nicht verpflichtend, dass man möglichst viele AssessorInnen von hinten nehmen soll. Das klingt alles ein wenig nach Entenhausen, der Rest ist allerdings vertrackter. So heißen beispielsweise die schwedischen Uni-Ferien „semester“ und das Semester „termin“. Erstaunlich, dass es immer wieder trinkfreudige Skandinavier bis zum Diplom („diplom“) schaffen.

Aber zurück zu den zwielichtigen Assoziationen. Das schwedische Wort für „kaffeetrinken“ ist „fika“ – „Ich gehe Kaffeetrinken, kommst du mit?“ heißt also: „Jag går fika, kommer du med?“

Bitte notieren: „fika“. Das ist nicht zu verwechseln mit dem schwedischen Wort für Tasche: „ficka“. Die Taschenlampe nennt der Schwede also ohne rot zu werden „ficklampa“ (wundere mich, dass bei IKEA nicht längst ein Leuchtmittel so genannt wurde). Noch lustiger wird es bei der Konjugation des schwedischen „bekommen“ („få“) im Imperfekt; „ich bekam, du bekamst, er bekam etc.“ heißt da „jag fick, du fick, han fick, vi fick, ni fick, dom fick“. Bitte laut nachsprechen und Hände auf den Tisch. „Und jetzt kombinieren wir: „Ich bekam eine Taschenlampe und ging kaffeetrinken.“ Heißt also? Na, na? Genau: „Jag fick en ficklampa o stack ta en fika.“ Ohne Scheiß, ich schwöre bei meine Brüda. À propos Brüda. So spricht sich die Mehrzahl von Braut aus. Die Braut heißt in Billy-Land nämlich „brud“ und um das Chaos komplett zu machen: „ficken“ heißt nicht „poäng“ sondern „knulla“. Wer also zum IKEA-Kassierer sagt „jag knullar din brud“ klingt für teutonische Ohren überhaupt nicht zwielichtig, wird vom alten Schweden aber recht zuverlässig vermöbelt.

Alles klar?

Dann Blog zu und aus dem Kopf wiederholen!

Und jetzt alle:

Jo, för där bor ju Pippi Långstrump,
tjolahopp tjolahej tjolahoppsan-sa,
där bor ju Pippi Långstrump,
ja, där bor faktiskt jag.

Link | Worte in Fetzen | 2008-02-03 05:04 comment |

jazzer, Sonntag, 3. Februar 2008, 13:41
Es gab da ja auch mal dieses nette IKEA-Kinderbett namens Gutvik.

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texas-jim, Sonntag, 3. Februar 2008, 14:00
"Kartoffelpunk"... Gnihihi.

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sven k., Sonntag, 3. Februar 2008, 14:13
Schwedisch für „Rösti“. Nebenbei: wie ich beim Verfassen des Postings von „Pantoffelpunk“ zu „Kartoffelpunk“ kam, entzieht sich mir übrigens vollends. Schreiben wir's der frühen Stunde zu. Ich bitte um Vergebung ;-)

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DonDahlmann, Sonntag, 3. Februar 2008, 14:30
Dabei ist das mit den Namen bei Ikea auch nicht so kompliziert wie man denken könnte. Es hätte mich auch gewundert, wenn in einem Laden mit abgezählten Schrauben nicht auch die Namen System hätten.

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ub, Sonntag, 3. Februar 2008, 14:57
Polyglott geht auch …
Bin begeistert über die praxisbezogene Einführung ins Schwedische. Besten Dank auch!

Im übrigen müssen unter den IKEA-Marketingern auch polyglotte Wortschöpfer sein. Ich erinnere mich immer wieder gern an den Jugendschreibtisch Jerker, der inzwischen aber anders heißt, glaub ich. Oder aber er ist ausverkauft … =;o)

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pantoffelpunk, Sonntag, 3. Februar 2008, 22:03
Och, Menno. Das will doch gar keiner wissen... alles kapott jetzt. :-)

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sven k., Sonntag, 3. Februar 2008, 22:31
Wieso im Gegenteil, ist doch sehr lustig, diese exotische Fremdsprache :-) Am Stockholmer Bahnhof musste mal eine amerikanische Freundin sehr lachen, als sie das Schild der Güterabfertigung (Ausgabe/Annahme von Gepäck und Warensendungen) sah. Auf antiquiertdeutsch sagt man ja noch, dass man etwas „expediert“ wenn man es abfertigt oder befördert, die Schweden benutzen das Wort noch ganz verbreitet. Und Gut/Güter heißt god/gods (wobei das „o“ wie „u“ gesprochen wird). Auf dem Schild der Güterabfertigung stand also ganz folgerichtig „godsexpedition“ und die amerikanische Freundin las laut glucksend: „God’s expedition? Haha, I wonder where he’s gonna go! God’s expedition!“

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pantoffelpunk, Dienstag, 5. Februar 2008, 22:45
Gnihihi, jaaaa, schon lustig, aber ich habe mich über Jahre erfolgreich gewehrt, Theorien über schwedische Bedeutungen der Produktnamen anzuerkennen und dann kommst Du - aber schöner Artikel, sonst.

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cats, Montag, 4. Februar 2008, 15:14
Wenn Sie den Text dann auch nochmal irgendwo live lesen würden - ich wär dabei. ;)

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ego deluxe, Montag, 4. Februar 2008, 16:26
Und dann die verwirrten Blicke der britischen Austauschstudentinnen, die sich auf einmal in ganz Malmö als billige Schlampenhintern beschimpft fühlten. Dabei hatte doch nur der Schlussverkauf begonnen: "SLUT REA - 50%!"

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goldfischli, Montag, 4. Februar 2008, 19:48
Und was muss man geraucht haben, um bei POÄNG anale Herausforderung zu assoziieren? Ich dachte, sowas passiert nur akuten Pubertanten im Testosteronrausch?

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lülü, Montag, 4. Februar 2008, 22:22
hihihi, danke für die schöne Erinnerung.

Schön war auch die Situation am Abendbrottisch mit Großmutter, als der deutschlerndende schwedische Gastbruder den Austauschschüler aus Deutschland bat 'lilla kyckling' auf deutsch zu sagen.
Küken, die Übersetzung, ist nämlich, wie auf Schwedisch "Der Schwanz/Penis" ausspricht.

Für Englischsprachige ist das schwedische Wort "bra" auch slightly verwirrend. ^^

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pantoffelpunk, Dienstag, 5. Februar 2008, 22:49
Und wie verkrampft und -klemmt muss man sein, um sich dauerhaft und erfolgreich jeden Anflugs pubertärer Albernheit zu verschließen. Und wie päpstlich muss man sein, um bei POÄNG nicht an einen engen Po zu denken? Und wie verbittert muss man sein, wenn man nach der Lektüre solch eines fröhlichen und genial getimten Artikel wie er uns dort oben dargeboten wird, nur herummeckern kann, wie doof doch andere sind? Und überhaupt? Und tüss!

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sven k., Mittwoch, 6. Februar 2008, 01:45
Fröhlich und genial getimt? Hui. Danke. Ich sollte mir vielleicht öfter morgens um sechs nach durchpixelter Nacht eine Flasche Veltliner hinter die Binde kippen, dann kurz ein paar entspannte Zeilen in die Tastatur hacken und sofort online stellen ;-)

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pantoffelpunk, Mittwoch, 6. Februar 2008, 22:56
Ja, das wäre wohl nicht das verkehrsteste...

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salamikakao, Mittwoch, 6. Februar 2008, 12:45
Auf Engländer, die Schwedisch lernen wollen, lauert mit dem schwedischen Verb "kissa" auch ein ganz böser false friend.

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g a g a, Mittwoch, 6. Februar 2008, 13:27
Ich fühle mich gerade unheimlich sprachbegabt.

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simmel, Mittwoch, 6. Februar 2008, 15:01
Großartig, ich werde beim nächsten Möbelhausbesuch bestimmt an Sie denken und mal Kaffeetrinken gehen..

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kirschrot, Mittwoch, 6. Februar 2008, 16:05
Wunderbar, lieber Sven. Ich kichere immer noch.

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halsnalle, Mittwoch, 27. Februar 2008, 22:19
Jetzt versteht ihr auch warum das Wort "Preisknüller" uns so lustig ist. Mein bester falsche Freund ist sonst zweifelsohne Porr Technobau AG.

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rednix, Dienstag, 4. März 2008, 13:28
es gab
mal eine taschenlampe in maglight-größe, die hatte den wohlklingenden namen ficklampa.

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Egoload - Verträumter Idealist