20.04.08 | 11:17 | 241 x gelesen

Geisterstunde


THE SPIRIT. Die Ästhetik ist großartig getroffen, nur die scheiß rote Krawatte hätte Frank Miller sich schenken können. Eisners Ikone ist so stark, da hätte Miller (dessen "seht-mich-an-ich-bin-der-Gralshüter-der-Comickunst"-Getue jeden außer seine Jubelperser nerven muss) gewonnen, wenn er sich NOCH mehr zurückgenommen hätte. Die scheiß Farbakzente kommen im gedruckten Comic großartig, aber in Realfilm nachgeäfft sehen sie so affig aus wie die Latexgesichter in DICK TRACY. Das machte schon SIN CITY unsehbar (außer natürlich, ich wiederhole es gern, für die Miller-Jubelperser).

Link | Comicwelten | 2008-04-20 11:17 comment |

l9, Sonntag, 20. April 2008, 20:26
Oh neee.
Will Eisner - hey, ich hab ihn live gesehen und ein Autogramm von ihm (einer der wenigen Menschen auf der Welt, von dem ich mir je ein Autogramm geholt hab) - der dreht sich im Grab um.

Das ist DEFINITIV NICHT THE SPIRIT!!!

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sven k., Sonntag, 20. April 2008, 21:59
Ich kann in Deinen Aufschrei nur einstimmen. Miller imitiert ja schon in der roten Typo sein SIN CITY, er stülpt dem SPIRIT seine überzogene Film-Noir-Ästhetik über. Es war schon tragisch, dass das mit den eigenen Comics nicht funktionierte (bis für die Jubelperser…), um so fataler finde ich, dass er jetzt Eisners Herzensprojekt auf dem Altar seiner Selbstverliebtheit opfert. Um so trauriger, als der Protagonist gut gecastet ist. Das Hauptproblem ist, dass Eisner den SPIRIT in der Hochzeit von Fuller und Bogart zeichnete und deren Filmästhetik die Comicleute damals sehr inspirierte. Jetzt im Film Eisners Comicästhetik nachzuäffen, heißt ein Zitat zu zitieren und das kann, wenn man mit dieser kunsthistorischen Rückkopplung nicht bewußt umgeht, leicht daneben gehen. Es sieht so aus, als ob es das tut, weil eben wieder nur ein Comiczeichner einen Film macht. Vielleicht hätten sie Jarmusch dransetzen sollen, der die Schwarzweißästhetik der Forties/Fifties sehr stilsicher zitiert. Oder Tarantino, den Weltmeister des Genrezitats. Miller aber kann immer nur Miller zitieren, und er tut sich selbst damit keinen Gefallen, da er es zwar sehr pingelig tut aber (auch gerade deswegen) sehr schlecht. Wieder fällt mir Dick Tracy aus den Neunzigern ein. Gezeichnet sind die Figuren okay. Aber Al Pacino als Obermafioso wirkt mit drei Tonnen Latex im Gesicht wie eine Muppet-Figur und vor allem NICHT echt. Ähnlich scheitert Miller auf sehr hohem technischen Niveau an sich selbst. Schade, dass Eisner nicht mehr intervenieren kann. Warum bin ich mir nur sicher, er würde – selbst wenn er für Millers Projekt das okay gab bevor er selber zum Geist wurde…

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der zyneast, Dienstag, 22. April 2008, 22:10
Oder in kurz: Der Spirit ist blau. Nicht rot.

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