10.06.08 | 18:17 | 462 x gelesen

Meine alte Schule

1985/86, ich war gerade 21, da habe ich dort gelernt. jetzt haben sie ein Filmchen gemacht. Eigentlich hat sich nichts geändert. Außer dem Zeitgeist.

Link | Private Parts | 2008.06.10, 18:17 comment |

frau klugscheisser, Donnerstag, 12. Juni 2008, 10:17
Diplom? Master Class?
Aufgetreten?
Klingt auf jeden Fall interessant. Und ist 'barre au sol' sowas wie Floor-Barre?
[Sehr schön auch: Eléments et Matières, monde animal et végétal]

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sven k., Donnerstag, 12. Juni 2008, 18:04
[EDITED 14.06.08] Das Diplom hätte ich nach zwei Jahren bekommen, ich bin aber nach einem weiter an die Tanzhochschule Stockholm. An beiden Schulen mußten wir tatsächlich (zu Musik von Jean-Michel Jarre) die vier Elemente, verschiedene Stoffe, Tiere und Pflanzen spielen. Was doof klingt aber anspruchsvoll ist. Und die barre au sol von Ella war eine tägliche Strafe. Besonders für Männer, die au sol nicht so einfach wie Frauen in einer offenen Zweiten locker mit der Brust den Boden küssen und dabei noch Zeitung lesen ;-) Hach.

Hätte ich doch nicht Anfang der Neunziger meine große Theaterkrise gehabt! Aber, ach - mich kotzten all die präpostpostmodernen Regisseure mit ihren willkürlich erscheinenden regietheatralen Zuckungen an und mich kotzte der Weg an, den das Theatersystem einschlug. Mike Daisey umschreibt perfekt, was sich damals schon ankündigte:
When regional theaters need artists today, they outsource: They ship the actors, designers, and directors in from New York and slam them together to make the show. To use a sports analogy, theaters have gone from a local league with players you knew intimately to a different lineup for every game, made of players you’ll never see again, coached by a stranger, on a field you have no connection to.
In immer neuen willkürlich zusammengekotzten Ensembles fühlte ich mich unwohl, deplatziert und leer und solo steckte ich auch fest, denn nach fast fünf Jahren Schule war ich gut trainiert, aber mein Fühlen und Sehnen war ein Vakuum und ich bin bis heute der Meinung, dass, wer keine Geschichte zu erzählen hat, auf der Bühne nichts zu suchen hat. Hätte ich nicht einen Haufen kaltschnäuziger Abzocker sondern eine familiäre Kreativenfamilie wiedergefunden, wie ich sie in den Achtzigern in Deutschland verlassen hatte, ich wäre wohl heute noch auf der Bühne.

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frau klugscheisser, Freitag, 13. Juni 2008, 00:18
"...nicht so einfach wie Frauen in einer offenen Zweiten locker mit der Brust den Boden küssen." Aber auch nur bei akutem Hängebusen. Geht ja eh mehr um die untere Rückenpartie als den Bauch auf dem Boden. Anschließend nach vorne über die Hüfte gerollt. Das macht man ohne Muskelspannung in den Beinen ca. zehnmal und beim elften Mal ist die schicke Titanhüfte inclusive.

Ja, hätte mich meine Mutter mal statt in diese doofe Musikschule auf eine ordentliche Ballettschule geschickt... aber ehrlich gesagt bin ich ganz froh, dass ich jetzt noch nicht in Rente bin und die Beine nur zum Spaß in die Luft werfe.

Respekt aber vor diesem Werdegang und der darauffolgenden wohl damalig unvermuteten Wendung.

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sven k., Freitag, 13. Juni 2008, 01:27
Der Werdegang hat Spaß gemacht und ich bin noch immer wieder wehmütig über den konsequenten Ausgang, zu dem ich aber immer noch stehe.

Immerhin kann ich heute sagen, ich habe am Theater von Ingmar Bergman in Stockholm gemeinsam mit meinen Klassenkameraden in der Jubiläumsvorstellung zum Hundertsten des Theaters einen Wald gespielt. Sehr hintergründig, versteht sich - denn vorn an der Rampe spielte unter anderem der unglaubliche Stellan Skarsgård.

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frau klugscheisser, Sonntag, 29. Juni 2008, 16:52
Oh. Oho! 'Good Will Hunting' ja, das musste ich erst nachschlagen, denn der legendäre Skarsgård war mir namentlich nicht so geläufig, das Gesicht allerdings ein Begriff. Schade das mit dem Karriereabbruch, weil man weiß ja nie, worauf es letztlich rausgelaufen wäre: als Baum immer hinten oder vorne an der Rampe. Allerdings bin ich mir sicher, der Baum hätte sich nie vom Bleistift träumen lassen.

[danke für das erklärende Edit]

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