29.06.08 | 22:51 | 826 x gelesen

Ihr könnt nach Hause geh'n.

Wie Sterbende, die aus Anlass des Exitus noch mal ins Bettchen machen zünden die besoffenen deutschen Fußballfans vor der Kneipe wortlos die ursprünglich für den Sieg im EM-Finale disponierten Böller und Raketen, ballern mit Starterpistolen um sich und werfen mit Bierflaschen.

Nicht mal gute Verlierer sind die. Eine Sportart, die solche Fans hat, kann ich nicht mögen.

Aber am 30. Juni 2008 war nicht nur EM-Finale, es war auch – tempus fugit – Robert Gernhardts zweiter Todestag. Hätte der Fußball mehr Fans wie ihn, ich würde vielleicht doch noch zum Fußballfan – im FAS-Interview sagte Gernhardt im August 2005:

„Ein Dichter braucht einen Pointeninstinkt, wie Stürmer einen Torinstinkt brauchen. Man muss sich auf die Pointe zubewegen und im entscheidenden Moment verwerten. Auf den Abschluss kommt es an, mit einem Unterschied: Trifft einer ins Tor, dann ist eindeutig, dass es geklappt hat. Ob eine Pointe gelungen ist, ist längst nicht so klar. Im Gegensatz zum Fußballer weiß der Dichter deshalb nicht, wie gut er ist. Hölderlin war ja ein Riesentalent, wurde aber erst spät gewürdigt. So etwas passiert Ballack nicht.

Ich würde mir bei Lesungen auch wünschen, dass tausend Leute begeistert schreien und La Ola machen. Aber erst mal verstreicht einige Zeit, ehe etwas aus dem Publikum zurückkommt. Und wenn ein Gedicht schlecht wäre, dann könnte ich ja behaupten: Ich war mental nicht auf dem Papier.“

Link | Private Parts | 2008.06.29, 22:51 comment |

till lassmann, Montag, 30. Juni 2008, 12:43
gut gesagt!

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