19.08.08 | 08:52 | 87 x gelesen

Koskenkorva, taschenwarm.

Blind gekauft: Roman Schatz „Der König von Helsinki“. Schatz ist ein Deutscher, der seit über 20 Jahren in Finnland lebt. Gesehen und gemocht bei vor ein paar Tagen im Fernsehen bei „Die Tietjen und Dibaba“. Finnland. Es gibt kein Land – außer vielleicht Polen – in dem ich mir so gut vorstellen kann, was Schatz als Grundhaltung beschreibt: bei einer Flasche Wodka auf einen See starren und über den Tod nachzudenken. „Koskenkorva“ ist übrigens der Name des finnischen Wodkas und bei „Korva“ denkt der Pole nebenbei an etwas anderes, aber ich schweife ab. Wenn der Finne übrigens, so Schatz, genötigt wird, die Flasche abzusetzen um einen Trinkspruch hervorzubringen, dann sagt er: „Sind wir zum reden hier oder zum trinken?“ Leider kann ich den Satz nicht auf Finnisch wiederholen.

Ich würde gern Finnisch lernen. Es ähnelt für mich seit jeher dem Klingonischen, die Sprache ist derb, sie kommt tief aus der Kehle – auch ohne, dass vorher Wodka durch sie floss. Wenn man an Seen sitzt und über den Tod nachdenkt, und das Finnische beherrscht, dann kommt man, davon bin ich überzeugt, einer Antwort sicher viel näher als mit jeder der anderen viel ziselierteren europäischen Sprachen. Denn der Tod, der geht an die Kehle und es ist, wenn man sich dessen gewahr wird, hilfreich, Wodka zur Hand zu haben. Taschenwarm, wie man ihn in Finnland trinkt.

Schatz sagt über Finnland: „En nyt menisi ihan niin pitkälle, että kutsuisin Suomea paratiisiksi. Se on siihen helvetin paljon liian kallis ja kylmä. Mutta ollakseni taas ihan todella rehellinen: Niin hauska kuin minusta onkin valittaa, en koskaan ole oikeasti katunut tänne tuloa.“ Wahrscheinlich ist es so mit allem, was man liebt. Man erkennt erst alles, was man mag und dann alle Abgründe desselben. Und man geht dann doch nicht weg. Weil man das mag, was man mag. Und alles andere schickt man weg wie einen bettelnden Hund.

Das ist Liebe.

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07.08.08 | 20:35 | 86 x gelesen

Nanette Scriba: Cabo Verde

Es geht. Man kann vor Licht und Farben kapitulieren. Jeder, der irgendwann auch nur einmal einen Pinsel in der Hand hielt, weiß das. Und ab dem Mittelmeer, spätestens ab Nordafrika wird es verdammt schwer, nicht zu malen. Hier eine Musikerin, die zwanzig Jahre nach dem Kunststudium die Aquarellpinsel wieder in die Hand nahm. Danke, Nanette Scriba!

Ans Verkaufen der Aquarelle denkt Nanette Scriba übrigens nicht. Dem Magazin MAINZ sagt sie: „dafür habe ich viel zu sehr in die Menschen der Kapverden und in ihre Bilder verliebt.“ Nur eine Einschränkung macht sie: „Vielleicht könnte ich mich bei dem einen oder anderen Motiv überreden lassen, es noch einmal nachzumalen…“

Web: Nanette Scriba: Cabo Verde – Unterwegs im Licht.
Ausstellung: Altstadt-Galerie Mainz.

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05.08.08 | 02:02 | 134 x gelesen

Geht doch.

Die Cannes-Rolle. Beweist immer wieder, dass es jenseits phantasieloser teutonischer Selbstgefälligkeit sehr geile Werbung gibt. Beispiel:



Ich liebe diesen goldigen Spot, für den es denn auch Gold gab:



Eine exzellente Auswahl präsentiert die Sendung culturepub vom 1. Juli dieses Jahres.

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03.08.08 | 05:37 | 611 x gelesen

Der Künstler: Es ist alles gleich.

[Szenarioskizze für ein zu zeichnendes Comic.]

Man sagt, Künstler interessieren sich nicht für andere Künstler. Aber im Grunde ist nur alles gleich. Und damit völliger Unsinn.

Der Künstler: Das ist völliger Unsinn.

Vielmehr haben Künstler keine Zeit, sich mit anderen Künstlern zu beschäftigen.

Der Künstler: (zu seinem ineffizienten Mäzen) Jetzt nicht, oh mein ineffizienter Mäzen. Sagen sie diesem alten Sack Baselitz, er solle seine Fürbitte unter der Tür durchschieben. Und legen Sie sie bitte zu den Bettelbriefen von Lüpertz, Immendorff und Picasso.

Fakt ist, dass Künstler immer viel zu sehr mit Selbstbespiegelung beschäftigt sind

Der Künstler: (betrachtet sich im Spiegel) Wer bin ich und warum stirbt der Mensch?

Sich mit anderen Künstlern zu beschäftigen erscheint dem Künstler daher als müßig.

Der Künstler: (nimmt ein Buch) Oh wie müßig, mich mit anderen Künstlern zu beschäftigen. Aber gut. Versuch macht kluch.

Das Buch: (der Künstler liest darin) „Wer bin ich und warum stirbt der Mensch?“

Der Künstler versteht seinen Kollegen, hat aber selbst genug nachzudenken.

Der Künstler: (wirft das Buch weg) Verstehe. Indes, ich habe selbst genug nachzudenken.

Und so begibt sich der Künstler wieder in seine Kemenate.

Kemenate: (ein bezauberndes Mädchen von etwa zwanzig Jahren. Sie ist nackt, der Künstler liegt auf ihr, in einen Spiegel schauend) Guten Tag. Mein Name ist Kemenate. Ich bin Hobbymuse und auf Hartz vier.

Der Künstler: (schaut in einen Spiegel und denkt) Oh Spiegel! Oh Kemenate! Wer bin ich und warum stirbt der Mensch?

Sie sehen – wie wir eingangs schon bemerkten: Es ist alles gleich.

Der Künstler: Aber so was von.

Der Spiegel: Ich will einen Tarifvertrag. Außerdem bin ich noch da, wenn du schon verrottest.

Der Künstler: Maul, sonst Beule.

(Abblende, Werbung.)

[PS: Kunden, die diesen Artikel gelesen haben mochten auch: Picasso 4.0.]

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25.07.08 | 18:49 | 211 x gelesen

IVY ist tot. A-Loha!

Natürlich nicht der gleichnamige Comicstrip Eures Comiczeichners der Herzen, hehe.

Nö, das Magazin "IVY", das im Auftrag von Hubi Burda "Lifestyle für eine bessere Welt" verkaufen sollte. Ich hatte da einen lustigen Kontakt. Die wollten mir nämlich zu ihrer geplanten weiteren pekuniären Ausbeutung des Begriffs "grün" bei ökologisch korrekten Koksnasen meine Domain "ivy.de" abkaufen. Da das aber nicht geradeheraus, sondern über die Hintertür lief (vielleicht um einem Schnäppchenpreis rauszuhandeln?) ließ ich die dreisten Bettler am ausgestreckten Arm verhungern, der grüne Schmu für Öko-Hedonisten ging als "ivyworld.de" an den Start und ich bin nicht frei von Schadenfreude, wenn ich jetzt lese:

Burda hat das Projekt "IVY" beerdigt.

Nach nur knapp über einem halben Jahr. Och. Gnihihihihi. Es geht doch so mancher Schnellschuss nach hinten los, wenn die Absicht monetärer Urbarmachung sich temporär hip findender Zielgruppen doch arg durchscheinend ist und der zum Erreichen des Ziels geschlagene journalistisch genannte Schaum allzu fluffig gerät. Darauf ein Fläschchen Öko-Schampus! Prost, Herr Furtwängler!

Und den Claim "Lifestyle für eine bessere Welt" könnt ihr ja zum Schnäppchenpreis an Al Kaida weiterverkaufen.

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13.07.08 | 06:29 | 157 x gelesen

Wo mir heute niemand mehr folgen kann (1)

"Dis, quand reviendras-tu, dis, au moins le sais-tu
Que tout le temps qui passe ne se rattrape guère
Que tout le temps perdu ne se rattrape plus."
(Barbara, Großphilosophin.)

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Egoload - Verträumter Idealist