10.08.08 | 05:25 | 422 x gelesen

homo ludens

« Aimez-vous les uns les autres ou bien disparaissez ! »
(Juliette Gréco)

Wäre es nicht ganz für sich genommen schon so traurig und der Menschheit so ähnlich wie unwürdig, es bliebe zynisch, tatsächlich gleichzeitig mit der Eröffnung der Olympischen Spiele, die als Friedensspiele zu eröffnen und durchzuführen schon schwierig genug war und ist, einen Krieg anzufangen.

So ergibt sich der unfreiwillig hämische grafische Unsinn, dass Spiegel Online ganz oben in seiner Website seit Tagen sein Olympia-Banner platziert hat, direkt darunter aber statt Medaillengewinnern Kriegsnachrichten erscheinen.

Die Menschheit bleibt, so scheint es in diesen Tagen die Du und ich erleben, ein enttäuschend dummer Haufen Scheiße – trotz, und das macht alles noch trauriger, ihrer unglaublichen Möglichkeiten.

Ein Theaterlehrer sagte mal: „ohne Konflikt kein Theater“, aber wann immer man dem menschlichen Wesen im Innersten nachfühlt, muss man ihm widersprechen. Die Abwesenheit von Konflikt ist nicht, wie der Theatermann hinter den Scheuklappen reaktionärer Dramaturgie denken musste, zwingend Langeweile. Wenn Menschen zum Größten aufleben, zu dem sie fähig sind, dann kommen sie dem Zen sehr nah und das ist in all seiner langweiligen Harmonie unsäglich spannend. Nur: wenn Menschen so weitermachen, wie sie es tun, dann geht es immer nur darum, wer den längsten hat. Und das war und ist und bleibt einfach nur die einfachste Lösung und: einfach widerlich.

Die Menschen, deren Weltgeschichten momentan ausgelöscht werden, fragen wie die Milliarden Toten der menschlichen Konfliktgeschichte nicht danach, ob sie dem einen Land oder dem anderen Pakt angehören.

Diese Weisheit wird nur für die zur Binse, die sie ignorieren. Nicht aber verliert sie durch konsquente Missachtung an Relevanz – höchstens die Menschheit verliert durch ihre Ignoranz, die noch jedes Tier beleidigt, so der Mensch erkennt, dass auch er nur ein Tier ist (und damit der Evolution unterworfen, ich sach ja nur).

Es ist mit jedem einzelnen auf dem Altar der Machtpolitik Hingeschlachteten einfach nur immer wieder und wieder ein ganz persönlicher Traum, der jäh ausgelöscht wird, geopfert auf dem Altar der längsten Schwänze der Welt, in der Welt derer, die der Versuchung erliegen, der Macht des Stärkeren zu erliegen. Und das waren bisher immer die, die sich durchsetzen.

Muckis über alles. Der Sieg der Türsteher über die Disco.

Widerlich.

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09.08.08 | 06:03 | 136 x gelesen

History Repeating

Ach, wenn doch alle Menschen das Wissen und die Erfahrungen aller Menschen teilten! Stattdessen: alle nur gestreift… Buddha, Breton, Dalí, Éluard, Cocteau, Picasso, all die anderen und, herrje, Dieter Bohlen…

Angesichts unserer lächerlichen Lebensspanne können wir das kulturelle Erbe der Menschheit nur kurz anrempeln und gehen ins Grab wie ein Schweizer Käse: in dem Wissen, dass das bisschen, was wir an Menschengeschichten aufgesogen haben, gerade ausreicht, um uns klarzumachen, was wir alles versäumt haben. Und weil es unmöglich scheint, unserem Hirn rappzapp Wissen aufzuspielen wie auf Festplatten, wird sich daran auch nichts ändern. Und so wird der Mensch, statt dort anzuknüpfen, wo die Verwesenden aufhörten, mit jeder Geburt Fehler und Wonnen wiederholen müssen, die schon mehr als oft fehler- und wonnevoll gelebt wurden. Noch der schlechteste Witz wird neue Lacher finden, wenn erst die nächste Generation von Privatfernsehzuschauern unter der Erde ist.

Wie schön das Konzept im Film „Matrix“, wo jemand, der einen Helikopter fliegen muss, sich beim Einsteigen in das Fluggerät von der Einsatzzentrale mal eben ein komplettes Pilotenwissen ins Hirn überspielen lässt, die Kiste startet, losfliegt und sich gleich voll auf sein Ziel konzentrieren kann. Wie schön das Konzept, das Frank Schätzing in „Der Schwarm“ ausbreitet, wo einzellige Meeresbewohner die Erfahrungen jedes Individuums ihrer Spezies nicht im RAM-Speicher des Gehirns sondern auf der Festplatte genannt Gencode speichern, und die so qua Vermehrung ihr Wissen an die nachfolgenden Generationen weitergeben.

Fühlbares Wissen ohne analoges Studieren und Pauken, ohne Verlust durch Vergessen, was für ein Traum. Die Menschheit würde voranschreiten. Wir alle würden fühlen wie Casanova liebte, wir alle wären Buddha, Breton, Dalí, Éluard, Cocteau, Picasso, all die anderen und, herrje, Dieter Bohlen. Ginge es – wir wären Neandertaler mit dem Wissen von Angela Merkel! Unser Neonazidrang relativierte sich durch ein vehementes Mahatma-Gandhi-Bewußtsein! Jeder Krieger spürte noch vor dem ersten Schuss alle Schmerzen aller Kriegsopfer der Menschheitsgeschichte. Natürlich wären wir auch Dieter Bohlen und Adolf Hitler. Wir würden träumen, wie wir, „Cheri, Cheri Lady“ flötend, in Polen einmarschieren.

Aber wäre das schlimmer als Weltpolitiker, die, während sie huldvoll der Eröffnung friedlicher Sportwettkämpfe applaudieren, gleichzeitig einen kleinen schnuckeligen Krieg beginnen?

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07.08.08 | 16:07 | 134 x gelesen

Rektale Einsichten

"Assholes of the world unite and form a tunnel."
(Jango Edwards, Kunstrasenverkäufer.)
Die Eltern, die sagten, sie schickten ihr Kind nicht wegen der Bildung auf ein humanistisches Gymnasium, sondern damit es frühzeitig lerne, mit Arschlöchern umzugehen. Falsche Strategie. Die heutigen Arschlöcher können kein Latein, sondern Fußball. Orale Talente verlangen sie bestenfalls von ihrer Beischläferin.

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29.07.08 | 20:26 | 171 x gelesen

Ey, hasse ma 'ne Rupie?

Steigende Lebenshaltungskosten und heftige Konkurrenz: In Bangladesch haben Bettler gefordert, eine Mindestsumme für milde Gaben einzuführen. Andernfalls könnten sie ihre Familien nicht mehr ernähren, hieß es.

[via Spiegel Online.]

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17.07.08 | 15:41 | 770 x gelesen

Wal küren!

Warum der Aufstand gegen einen Stauffenberg-Film mit Tom Cruise? Wegen dessen Scientology-Mitgliedschaft? Ah, geh. Gnade, wenn die persönlichen Ticks, Einstellungen und Lebensweisen von Prominenten generell zum Maßstab für deren berufliche Glaubwürdigkeit genommen würden. Niemand wäre mehr prominent, wenn das Privatleben der Stars relevant wäre für deren Prominenz, wenn die wildesten sich als geschäftstüchtige Biedermänner und die biedersten als die rücksichtslosesten Hedonisten outen würden, die sich in Interessengruppen zusammenrotten, gegen die Scientology eine Krabbelgruppe ist.

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09.07.08 | 05:09 | 1888 x gelesen

Hausmitteilung: Some Cuddling

"No breakfast. Cheeseborger."
(John Belushi, Saturday Night Live.)

Eines voraus: Antville ist die Heimat dieses Weblogs, Antville ist die Plattform für viele schöne Weblogs. Und ich bin stolz, eine Ameise zu sein. Twoday.net und Blogger.de bauen auf dem auf, was unter dem Label Antville mit viel Phantasie und Spaß erdacht wurde. Antville hatte mal viele schöne Features, machte da weiter, wo viele andere Blogging-Plattformen aufhörten. Hat gar andere inspiriert. Zum Beispiel, was für ein schöner Luxus, konnte man, wenn man sein Weblog bei antville.org führte, viele Layouts nebeneinander anlegen und täglich das Aussehen seines Weblogs wechseln. So wie einem manchmal jeden Tag nach einem anderen Hemd ist. Solche und andere Features gab es nur bei Antville und alle Antvillianer waren stolz, Teil des Ameisenhaufens zu sein.

Antville hatte natürlich auch Features, die auch andere bieten. Zum Beispiel Backlinks. Backlinks sind eine feine Sache. Man findet darüber neue Freunde. Viele Blogdienste bieten deswegen Backlinks an. Da steht dann immer unter dem Artikel, von wo im unendlich großen Internet Leute zu einem gekommen sind. Durch Klick auf einen Backlink kann man diese Leute dann auch besuchen und so macht man Freunde.

Aber dann…

Bei Antville gibt es seit dem sogenannten „großen Update“ jetzt Backlinks nur noch für die vergangenen 24 Stunden. Dann verschwinden sie, werden aus der Antville-Datenbank getilgt. Es ist wie Freunde, die man aus den Augen verliert. Nach 24 Stunden. Fühlt sich an, wie ein Altzheimer-Vorgeschmack. Neues Feature: Demenz on demand.

Der Grund? „Um den Server zu schonen“, steht in der Antville-Hilfe, so sagten mir andere Antville-Blogger. Ich mochte das nicht glauben und das deswegen grad mal verifizieren, aber der Antville-Server war, wie jede Nacht und schon vor dem großen Update – down. Da fragte ich mich als kleiner Dummblogger: warum muss denn der Server für ein Backup immer noch jede Nacht down sein, wenn er doch jetzt so unglaublich geschont wird?

Das und andere Absurditäten hängt zusammen mit dem sogenannten „großen Update“, auch genannt der „The Summer Of Code“. Er war gedacht, um eine Liste von Verbesserungswünschen der glücklichen Blogger-Community von Antville umzusetzen. Aber, ach. Statt der Einführung der neuen Features wurden bewährte gestrichen. Weil die Antville-Community ein lieber Haufen lieber Menschen ist, hat sie das geschluckt, und sie schluckt jeden Tag ein neues „gibt es leider nicht mehr“. Das zeigt nur einmal mehr: die Antvillianer lieben ihren Ameisenhaufen wirklich. Das tun sie schon lange. So haben sie zum Beispiel schon mal für einen neuen Server spontan sehr viel Geld zusammengelegt. Und letztes Jahr haben sie halt für eine Verbesserung des Codes noch mal viel Geld zusammengelegt. Und deswegen sind sie ein bisschen traurig, dass sie jetzt kaum eins der gewünschten neuen Features bekommen und obendrein viele von den Features, die das alte Antville so unvergleichlich sympathisch machten, gestrichen werden. Zum Beispiel die Layouts, die man wechseln kann wie Hemden. Und die Backlinks, wie gesagt. Und. Und. Und.

Egal wie das begründet wird – es fühlt sich falsch an. Sehr falsch.

Und macht zumindest traurig.

PS: Ich kann nicht umhin, daran zu denken: wenn ich einen Job annehme, dann erst das Timing nicht halte und wenn ich schließlich fertig bin nicht nur nichts wesentlich Neues liefere sondern auch das Bestehende zumindest gefährde, dann komme ich als Freelancer gnadenlos auf schwarze Listen. Ich war, zugegeben, letztes Jahr sehr, sehr klamm und habe (nur deswegen) nichts bezahlt für den „Summer Of Code“, deswegen werde ich auch jetzt nichts fordern sondern nur weiter  froh sein, eine kleine Ameise zu sein. Aber es lag mir grad auf der Seele, grad mal zu erzählen, was ich mit meiner Lieblings-Bloggerplattform fühle und erlebe, seit der letzte Sommer vorbei ist.

PPS: Wenn ich meine alten Features wiederbekomme und die versprochenen dazu – dann spende ich noch nachträglich was für den Summer Of Code. Das ist versprochen.

PPPS: Die Backlinks unter diesem Artikel sind nicht repräsentativ.

PPPPS: Wenn der "Antville Summer Of Code" ein Schnellimbiss wäre, dann wäre es dieser hier:






Dank an die Herren Belushi und Aykroyd. Immer wieder schön.

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Egoload - Verträumter Idealist