05.04.07 | 22:48 | 1128 x gelesen

Es kommt der Tag: Eine Rose ist keine Rose ist keine Rose.

Heute ist ein A-Internettagebuchschreiber jemand, in dessen Kommentaren es stinkt. Kurz für die Neudazugekommenen (alle anderen bekommen ein Sternchen und dürfen gleich weiter zu Abschnitt drei): Da hat doch ein Parfumeur und Unterhosenhersteller virale Werbe-Vestalinnen ausgesandt, in den Kommentaren teutonischer Internettagebücher seine wohlriechende Botschaft zu verkünden; sie taten das indem sie dort taten, was jeder andere Blogger auch in den Kommentaren tut: sich verbreiten, nicht weil man sich dort wohl fühlt, sondern weil man sagen will: „Ich! Ich! Ich!“ in diesem Fall war „Ich!“ eben „Kauf mich!“ Und die Werbebotschaft war nicht einmal klar formuliert, nur Codeworte wurden immer wieder platziert, die Botschaft fügte sich erst in Feedreadern und Blogportalen zusammen. Herrlich. Und: pfui, bah. Man stelle sich das vor: unsere Poesiealben früher in der Schule wären unterwandert worden, und man hätte uns neben die Glitzerengel da Dinge reingeschrieben, wie: „In allen vier Ecken soll Liebe drin stecken – mit Kondomen von Fromm’s.“ oder „Dieser Liebeskummer wurde Ihnen präsentiert von Berentzen Apfelkorn.“ Das wär’ ja nu gar nicht gegangen.

Nun also liegen die Tagebücher und Poesiealben verstaubt im Keller und in ihren digitalen Entsprechungen geht das dafür in diesen Tagen immer öfter: Product Placement schleicht sich ein, Werbung, die den Auftraggeber so gut wie nichts kostet – qua viralem Marketing zum Beispiel: Blogger fahren Autos einer bestimmten Marke und schreiben darüber; andere schreiben darüber, dass sie es völlig indiskutabel finden, diese Autos zu fahren und/oder darüber zu schreiben – und schreiben damit grad auch wieder drüber. Und selbst wenn ich mich hier satirisch zum Thema verbreite, sehen viele im Kopfkino schon zuverlässig wieder das Auto und die sogenannten Autoblogger (ein Begriff, heute auf einer Popularitätsebene mit „Problembär“). Anderes Beispiel: Internettagebuchschreiber lassen sich in ein Loft einladen, um über Fußball zu schreiben. Im Loft serviert man eine bestimmte koffeinhaltige Brause. Die Tagebuchschreiber schreiben, das sei doch alles nur ein lustiges Fußball-WM-Event; oder sie schreiben, dass sie dazu nun wirklich nichts schreiben wollten – und schreiben damit grad auch wieder drüber, und alle greifen zur koffeinhaltigen Brause, nicht ohne hinzuzufügen, dass sie die sonst nicht unbedingt tränken, wenn sie nicht sowieso grad rumstünde. Nee, klar.

Aber die Geschichte hat im Wasserglas der deutschen Internettagebuchschreiber ja bereits die kleine stürmische Runde gemacht (SPON fasst hier zusammen). Neu ist, dass jetzt Internettagebuchschreiber anfangen zu nölen, weil die digitalen Marketenderinnen NICHT mit Ihnen nicht angebändelt haben. Ist das zu fassen? Verzweifelt suchen bisher als „A-Blogger“ geadelte Schreiber zurzeit noch in den entlegensten Kommentaren nach den werbenden Duftmarken. Es gibt tatsächlich welche, die sich unter dem Deckmantel pseudo-ironisierender Koketterie ernsthaft fragen, ob sie noch zur ersten Garde gehören, weil in ihren Kommentaren KEINE PR-Praktikantinnen Pröbchen verteilt haben (nein, ich werde hier nichts zitieren, da könnte ich ja auch gleich Namen nennen und  ich bin ein höflicher Misanthrop). Und wer dann doch auch bei sich Werbung findet, atmet auf schreibt erleichtert ein paar hübsch auffällige Zeilen der Empörung in sein öffentliches Tagebuch. Ein paar ganz Findige brüsten sich sogar damit, jetzt Rechnungen schreiben zu können, weil sie für Kommentarwerbung tatsächlich einen Preiskatalog online gestellt hatten – die liegen jetzt dem viral Werbetreibenden mit ihren Forderungen im unteren fünfstelligen Bereich schwer auf der Portokasse. Das ist ein Schritt weiter nach der Aktion mit Limo und der mit den Autos.

Nebenbei reden alle vom beworbenen Duft und selbst bei mir macht er ein paar honorarfreie Absätze, geschrieben aus purer als Satire getarnter Eitelkeit. Viral ist klasse desavouierend. Und die Cerealien sind auch schon drin.

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Ruhe in Frieden, Paule. Hattest Recht. Das hier ist Dein Feldversuch.

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28.01.07 | 20:01 | 693 x gelesen

CARLSEN plant vorausschauend

We're not scaremongering
This is really happening, happening.

(Radiohead, Idiotheque)

Wenn jemand extrem vorausschauend shoppen möchte - bitte Erscheinungsdatum beachten:

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06.12.06 | 15:58 | 529 x gelesen

A funny thing happened
on the way through the Windows Task Manager …

Irgendwie lief das Programm nicht. Da rief ich den Taskmanager auf – ein nützliches Helferlein, um Programme, die irgendwie nicht laufen, separat abzuschießen. Im Taskmanager lese ich:

"Task: Fehler. Status: wird ausgeführt."

Wow. So viel tiefe Einsicht.

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08.11.06 | 02:34 | 621 x gelesen

Allemage, mère blafarde

Love is around, look around the world
And look at yourself
C’est le genre humain, c’est le genre humain
Il en a plein les frigos, le regard dans le vide
Debout tard, levé tôt, le café et la radio
Le lundi matin il fait la une des journeaux
C’est le genre humain, c’est le genre humain

(Michel Augier, Les Balayeurs du désert, « Jules Verne Impact »)

Sagte Olli Dittrich nicht neulich im SPIEGEL-Interview, dass „Dittsche“ als Kunstfigur überzogen sei, dass niemand wirklich so aufträte? Nu, Olli, du wurdest soeben widerlegt. Ich betrat um kurz nach zwei in der Nacht meinen Ostberliner Winkaustritt (Balkon) und sehe, wie ein etwa fünfzigjähriger baumlanger kahler Mann in beißender Kälte den Döner-Imbiss verlässt um die Straße zu überqueren. Die nackten Füße des Mannes steckten in Badelatschen, er trug einen Schlafanzug und darüber, jawollja, einen Bademantel. Ich hatte zwar gerade gut 10.000 Euro ans Finanzamt überwiesen, von denen mir nach wie vor niemand vermittelt, was davon qua Staatsinvestition wieder der Allgemeinheit zugute kommen wird, aber ich hatte flugs kein Bedürfnis mehr, mir leid zu tun. Was bleibt ist ein unterschwelliges Gefühl von Wut, und dass da draußen irgendetwas nicht ganz koscher läuft. Etwas, was in das Gefühl mündet, dass es völlig egal ist, ob man sich den Arsch aufreißt, oder nicht.

So spielt Deutschland Russland - dezenter aber genau so rücksichtslos. Kohls Mädchen rächt sich an der wiedergeborenen Zarenrepublik und das Ergebnis ist Revanchismus mit den Mitteln der Ökonomie, kapitalistischer Schwanzvergleich ehemaliger sogenannter Sozialisten. Das Ergebnis ist eine Lobbyistenrepublik mit ADO-Goldkante. Dezenter, aber nicht wirklich weniger Russland.

Und unterm Strich wanken die Dittsches über die Straße während Wim Wenders die Transplantation des ehemaligen Off-Clubs „Esplanade“ ins SONY-Center durch seine künstlerischen Weihen adelt.

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28.07.05 | 22:27 | 1045 x gelesen

Take me home back, country road.

www.bundeskanzler.de bei archive.org

Lädt saulangsam, macht aber Spaß. Empfehlung des Hauses: "Kanzler für Kids".

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13.07.05 | 03:26 | 621 x gelesen

Demokratie

Gedanke zur Wahlbeteiligung: ich bin dafür, die Bundestagswahl mit "Wer wird Millionär" zu koppeln: wer wählt, nimmt mit seinem Stimmzettel an einer Millionenauslosung teil. Was würde die Wahlbeteiligung in die Höhe schnellen! Wenn man dann noch die Gewinnchancen erhöhen würde, indem man den Wirkungsgrad der Stimme qua Test in Sachen politischer Allgemeinbildung festlegte - unglaubliche Vorstellung. Das Prinzip des eigenen Vorteils instrumentalisiert für gelebte Demokratie. Wie subversiv. Wie zynisch. Wie genial. Weiter mit Musik.

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Egoload - Verträumter Idealist